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Meeresstille und hohe See : neue Seegeschichten / von Heinrich Smidt
(Verfasser der Devrient-Novellen [et]c.)
Entstehung
[Giessen] [2025]
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gewordenen Leuten nichts zu ſchaffen zu haben, und ent⸗ fernten ſich, um einen bequemeren Ruheplatz aufzu⸗ ſuchen.

„Inken Bork, biſt Du es?“ fragte nach einer Pauſe der Mann mit tonloſer Stimme.„Sage mir, ob Du es biſt?“

„Ich bin es, Dirk Heick,“ antwortete ſie zitternd. „Dein treuloſes, verlaufenes Weib.“

Thränen hemmten ihre Sprache. Sie bedeckte das Geſicht mit beiden Händen.

Die Zeit verrann. Es war ſtill geworden an den Ufern des Guadalquivir. Die Sonne ſank in die glitzernden Wellen. Die Abendröthe verblaßte und gol⸗ dene Sterne funkelten am tiefblauen Himmel. Die Beiden ſaßen noch immer neben einander, ohne ſich anzuſehen; aber ſie hatten in ihrer Landesſprache Vieles mit einander geredet. Da erhob ſich Dirk Heick und ſagte:

„Wir ſind die Heimathloſen in der Fremde. Wir ſind es, weil wir uns in unſrer raſenden Leidenſchaft ſelbſt aus der Heimath verbannten. Der Fluch der Vä⸗ ter jagte uns von Land zu Land; darum fanden wir keinen Frieden ſo lange wir zuſammenhielten, und als

wir, den Heiden gleich, von einander liefen, ſtatt in der Noth feſter und inniger uns zu vereinigen, verhängte es der gnädige Gott als eine Strafe über uns, daß wir uns in gegenſeitiger Sehnſucht verzehren und bis zu dieſem Tage nicht finden ſollten.“

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