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Meeresstille und hohe See : neue Seegeschichten / von Heinrich Smidt
(Verfasser der Devrient-Novellen [et]c.)
Entstehung
[Giessen] [2025]
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Das war in der goldenen Ebene von Sevilla, an den Ufern des prächtig dahinſtrömenden Guadalquivir und am Tage des heiligen Bonifaz. Der Strom wim⸗ melte von größeren und kleineren Fahrzeugen, bunt be⸗ wimpelt und beflaggt. Am Lande loderten gaſtliche Feuer, woran Sardinen und Kaſtanien geröſtet wurden, und in den Keſſeln brodelte die ſtark duftende Olla potrida. Die mannigfachſten Gruppen bildeten ſich. Landvolk und Seevolk, Weiber und Kinder ſprangen bunt durcheinander. Muſik erſchallte. Die Tänzer wirbelten im Fandango, im Valeo und El Ole dahin. Die Becher klangen; die Würfel raſſelten. Mitten in dem ſich ſtets bewegenden Menſchenknäuel lag hier und da auf dem Raſen eine Geſtalt regungslos am Boden, mit dem Kopf gegen einen

Baum gelehnt, und ſah gedankenlos dem Rauche ſeiner

Cigarre nach. Prieſter zogen vorüber mit bunten Fahnen, die Rauchfäſſer ſchwingend und einen feierlichen Choral

anſtimmend. Schnell verſtummte das wirre Getöſe. Alle

warfen ſich andächtig in die Kniee und ſprachen ihre Ge⸗ bete vor ſich hin. Von den Thürmen des unfernen Klo⸗ ſters erſchallte das Geläut. Aber kaum war die Pro⸗ zeſſion vorüber, als die Knieenden ſich wieder erhoben und das Feſt mit erneuerter Luſt ſeinen Fortgang hatte.

Ein hochgewachſener Mann mit ſtarkem Bart und gebräuntem Geſicht ſchritt daher in der kleidſamen Se⸗ villa⸗Seemannstracht. Die leuchtende Reſilla, von dem Kopfe nachläſſig herabhängend, die rothe Schärpe um

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