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Meeresstille und hohe See : neue Seegeschichten / von Heinrich Smidt
(Verfasser der Devrient-Novellen [et]c.)
Entstehung
[Giessen] [2025]
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ſchleudert, trieb ſein Schiff bald ſteuerlos auf der wüſten See. Und in dieſer verhängnißvollen Zeit begann ihm das Glück untreu zu werden. Mit dem ſcheidenden Glücke verminderten ſich auch bald die Freunde. Die Menge, die bisher in der Fülle ſeiner Schätze ſchwelgte, verlief ſich, und er befand ſich bereits allein, ehe er die Möglichkeit einer ſolchen Verlaſſenheit begriff. Mit dem

Glücke und deſſen falſchen Freunden wich auch die Zu⸗

verſicht aus der Seele Dirk Heicks. Er verlor das Ver⸗ trauen zu ſich ſelbſt. Von einem Seezuge heimkehrend, litt er dicht vor dem Hafen Schiffbruch. Rheder und Befrachter, vertrauend auf das alte Glück des Capitains, hatten weder das Schiff noch deſſen koſtbare Ladung ver⸗ ſichert. Ein ſchnell wachſendes Mißtrauen nahm einfluß⸗ reiche Männer gegen den ſonſt ſo gefeierten Schiffsführer ein. Man wich ihm aus; man bedauerte und wies ſeine Anerbietungen zuletzt kühl zurück. Mit ſeinem allmälich zuſammenſchmelzenden, ſo ſchnell erworbenen Vermögen ſchmolz auch ſein Credit. Dem Bettler traute Niemand mehr. So wandte er der prächtigen Hafenſtadt, der Stätte ſeines Glanzes und ſeines Sturzes, den Rücken, von Vielen verſpottet, von Wenigen bedauert und bald von Allen vergeſſen. Und Jahre rollten vorüber.

Meeresſtille und hohe See. 3