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Meeresstille und hohe See : neue Seegeschichten / von Heinrich Smidt
(Verfasser der Devrient-Novellen [et]c.)
Entstehung
[Giessen] [2025]
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wenn ſie ſich aber wieder hatten, war die Freude zwar ſtürmiſch, doch verrauchte ſie bald. Es kam ihnen ſtets vor, als ob irgend etwas Unſichtbares, etwas Unheim⸗ liches ſich zwiſchen ſie dränge. Das war der Fluch der Väter, der ihnen über See und Land folgte. Da faßte Dirk Heick einen raſchen Entſchluß.

So kann es nicht fortgehen, ſagte er zu ſeinem Weibe.Der ſchmale Erwerb reicht nirgends aus und wir richten uns gegenſeitig zu Grunde. Darum iſt es beſſer, wenn wir uns auf längere Zeit trennen. Ich will ſehen, wie es auf der andern Seite des Oceans ausſchaut. Vielleicht iſt dort eher ein Ruheplatz zu finden und dann hole ich Dich. Bis dahin bleibe hier und ſuche Dich durchzubringen, ſo gut es gehen will. Was ich irgend entbehren kann, laſſe ich Dir zurück.

Darüber wurden ſie einig. Dirk Heick nahm eine Heuer an als Unterſteuermann auf einem Oſtindienfahrer. Inken Bork ſetzte ſich in ihrem beſcheidenen Stübchen zum Spinnrade und zum Webeſtuhl. Als aber ihr Gatte nach dreijähriger Abweſenheit von ſeiner großen Reiſe, voll der ſchönſten Hoffnungen heimkehrte, war ſie ver⸗ ſchwunden.

Wohin?

Die Einſamkeit iſt eine gefährliche Geſellſchafterin. Nur charakterfeſte Menſchen dürfen ſich ihr mit Leib und Seele ohne Furcht hingeben. Schwankende Naturen