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Meeresstille und hohe See : neue Seegeschichten / von Heinrich Smidt
(Verfasser der Devrient-Novellen [et]c.)
Entstehung
[Giessen] [2025]
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fortgeriſſen, blieben ſie taub für alles Andere, und nur wenn ſie zuſammen waren, fanden die erregten Gemüther wenigſtens äußerlich einige Ruhe. Weil ſie ſich aber öffentlich nicht ſehen durften, ſuchten ſie heimlich zu⸗ ſammen zu kommen. Und wie ſchwierig dies auch bei der Abgeſchloſſenheit der Inſulaner ſein mochte, gelang es ihnen doch zum öftern, ſich unbemerkt zu treffen, denn Liebe findet ihre Wege.

Zu Tinum, dem angrenzenden Dorfe, war es, wo damals ein Mann lebte, aus deſſen Treiben kein Menſch klug werden konnte, und ſelbſt der Herr Landvoigt, der allda ſeinen Sitz hatte, wußte wenig mehr von dem Manne, als daß er Frerk Hanſen hieß und einen Theil ſeines Lebens auf der See zugebracht hatte. Seine Hütte war geringe, und das Feld, welches ſie umgab, ſo klein, daß es kaum eine Kuh ernährte. Und doch hatte er ſtets des Leibes Nothdurft und fiel Niemandem zur Laſt. Weil er überdies ein ſtiller Mann war, der nie ungerufen den Weg eines Nachbars kreuzte, ließ man ihn gewähren.

Aber im Stillen dauerte das Gerede über dieſen Mann unter den Leuten fort. Frerk Hanſen war kein Inſelfrieſe. Er war nach Sylt gekommen; Niemand wußte, woher. Einige hielten ihn für einen Finnen, der