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Sünde ſei, in der Liebe zu einem jungen Manne z beharren, wenn der Vater dieſer Liebe entgegen wäre?
„Ehre Vater und Mutter, auf daß es Dir wohlgehe und Du lange lebeſt auf Erden!“ flüſterte der Geiſtliche kaum hörbar und ſchwieg dann. Er hatte auf die uner⸗ wartete Frage in dieſem Augenblick keine andere Antwort bereit. Inken Bork aber achtete auf ihn nicht weiter, denn ſie erblickte Dirk Heick, der über die nahe Koppel kam und eilte ihm mit freudeſtrahlendem Geſichte ent⸗ gegen.
In ſich gekehrt, bleich und mit wankenden Knieen betrat er die Pfarrwohnung. Niemand hat erfahren, was dort zur Nacht geſchah. Keiner hat die Thränen gezählt, die dort floſſen, während er die mächtig keimende Neigung, die keine Erwiederung fand, niederkämpfte. Nur Er, deſſen Auge in die tiefſte Verborgenheit dringt und vor dem die dichteſte Finſterniß iſt, wie der hellſte Tag, weiß um die Kämpfe jener Stunden. Aber als am andern Morgen der junge Geiſtliche hinaustrat in den ſonnigen Tag, ſtrahlte ein himmliſcher Friede von ſeinem Angeſichte wieder und ein ſeliges Lächeln ſchwebte um ſeine Lippen.
Es war Sonntag. Die Glocke läutete hell und aus allen Tyüren traten die Gemeindeglieder, mit dem Ge⸗ ſangbuche in der Hand. Als der Geiſtliche aus dem Pfarrhauſe kam und an der Kirchhofspforte Inken Bork neben ihrem Geliebten erblickte, grüßte er ſie freundlich.


