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Meeresstille und hohe See : neue Seegeschichten / von Heinrich Smidt
(Verfasser der Devrient-Novellen [et]c.)
Entstehung
[Giessen] [2025]
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ſeinen Betrachtungen ſtörte, die Kirche zu öffnen und dort ſeinen frommen Gedanken ungeſtört nachzuhängen. War dann ſeine Seele freudiger Empfindungen voll, trat er in den dämmernden Abend hinaus und inmitten der unendlichen Einſamkeit am öden Seeſtrande ſenkte ſich ein himmliſcher Frieden auf ihn herab.

In dem Hauſe des Geiſtlichen war es ſtill. Noch war er unverheirathet, aber er ſehnte ſich nach einer Ge⸗ hülfin, die um ihn ſei. Unter den gungfrauen der Ge⸗ meinde war Inken Bork, die einen tiefen Eindruck auf ihn machte. Ihr Vater hatte es wohl bemerkt und es

ſchmeichelte ſeiner Eitelkeit, daß der Geiſtliche, der vvn

Allen geliebt und geehrt wurde, das Auge auf ſein Kind lenkte. Aber er dachte auch:Wenn es ihm mit der Dirne Ernſt iſt, kann er, wie der Brauch es verlangt, um ſie werben. Ich gehe ihm keinen halben Schritt entgegen.

Der Geiſtliche wagte nicht, ſeinen Gefühlen Wort zu geben. Er hatte das Mädchen öfter mit dem jungen Dirk Heick ſprechen ſehen und jedes Mal, wenn die Bei⸗ den zuſammen ſtanden, hatten ſie nur Auge und Ohr für ſich. Eine ſtille Trauer umdüſterte das Gemüth des Geiſtlichen von der Stunde an, da er ſ Entdeckung machte.

Einmal redete er ſie an. Verlegen ſtotterte ſie eine Antwort und fragte mit brennenden Wangen, ob es