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Meeresstille und hohe See : neue Seegeschichten / von Heinrich Smidt
(Verfasser der Devrient-Novellen [et]c.)
Entstehung
[Giessen] [2025]
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zu einem andern Grabe. Es iſt ein Friedhof, fern von der Stätte der Menſchen. Ein mäßig großes Stück Erde, von einem ſchützenden Wall umſchloſſen, darüber ſteht die Inſchrift:

Heimathſtätte für Heimathloſe.

Der chriſtliche Sinn der Inſulaner hat dieſen Kirch⸗ hof für die Leichen unbekannter Schiffbrüchiger herge⸗ richtet, die von der See an ihre Küſte geworfen werden. Den Heimathloſen iſt hier eine Stätte bereitet. Und der Vater im Himmel, der auf dieſes Chriſtenwerk mit Wohl⸗ gefallen herabſchaut, hat den dunklen Erdwall, der den Friedhof umgürtet, mit zarten Gräſern und Blüthen ge⸗ ſchmückt. Zunächſt der Thür ſproßt eine Glockenblume. Sie läßt ihre blauen Glöckchen vom Winde läuten, und mir iſt, als ob ein leiſes Klingen mir geböte, einzu⸗ treten, mich niederzulaſſen auf den zuletzt aufgeworfenen Hügel und zu hören, was die unſichtbaren Stimmen mir zuflüſtern.

Und dies iſt, was ich im wachen Träumen, unter dem Säuſeln der Blumenglocken, vernommen.

Meinert Heick galt für einen Sylter mit Leib und Seele. Er war ein Inſelfrieſe wie keiner. In ſeiner Jugend pflügte er die See. In reiferen Jahren nahm er ein Weib und pflügte den ererbten Acker. In der