Teil eines Werkes 
1. Band (1840)
Entstehung
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Valentin Vor

»O ja, er iſt ſchon ganz gut, ſagte der Capitain, val⸗ lein er weiß ſich oft nicht recht zu benehmen. Haben Sie geſehen, was er heute Morgen angeſtellt hat?«

»Jungen, wiſſen Sie ja, ſind Jungen!« bemerkte Va⸗ lentin, und die Neuheit dieſer bemerkenswerthen Behaup⸗ tung, die noch dazu von einem ſo bemerkenswerthen Manne ausging, bewirkte, daß der Capitain ſich entſchloß, den verſprochenen»Pfeffer« zu verſchieben, bis der Burſche ſich abermals wuͤrde etwas zu Schulden kommen laſſen.

»Wuͤrden Sie wohl erlauben,« ſagte Valentin,»daß der Junge meine naſſen Kleidungsſtuͤcke an das ufer ſchafft 2«

»Bei Allem was heilig iſt!« entgegnete der Capitain. »Pier, Junge! begleite dieſen Herrn. Geh' und ſieh nach ſeinen Sachen, und denke daran, daß Du Dich vernůnftig betragſt, hoͤrſt Du 2«

Der Burſche gehorchte mit Freuden, und Valentin em⸗ pfahl ſich dem Capitain, offenbar in der Abſicht, einen Blick auf die Rhede zu werfen. Die Paſſagiere ſtroͤmten wie ge⸗ wohnlich von dem Schife. Wären ſie ruhig geweſen, ſo

2 wuͤrden ſie alle weit eher und weit bequemer an das ufer gekommen ſein; aber ſie mußten ſich dräͤngen, und ſtoßen, und einander die Zähne weiſen, und ſich mit den Ellenbogen durcharbeiten, da jeder zuerſt kommen wollte. Eine Dame jammerte laut, ihre Haube ſei zerdruckt; eine andere ſuchte ihren Ridicul loszumachen, deſſen Tragbänder

ſie hatte, während der Beutel zwiſchen den Huͤften zweier

Damen ſteckte, die etwa fuͤnf Reihen hinter ihr mit dem Strome gingen, während eine andere ſehr unfreundlich einen Herrn anſah, der ihr auf die unſchuldigſte Weiſe ſeinen