der Bauchredner. 245
»Ah! und gelang es ihm?« fragte Valentin mit affectirter Neugierde.
»Das kann ich nicht ſagen,« erwiederte der Capitain, »doch iſt ſo viel gewiß, daß er nie wieder zum Vorſchein kam.«
»O, das iſt ja traurig! wirklich, recht traurig! Und ſo konnte er der Welt denn nicht ſagen, ob es ihm gelang oder nicht?«
»Ganz recht,« bemerkte der Capitain,„und, ſehn Sie, das iſt grade das ungluͤck in der Geſchichte. Kein Menſch war je im Stande, ſein eignes Leben vollſtaͤndig zu beſchrei⸗ ben. Ehe er damit fertig iſt, wird ihm der letzte Strich hindurch gemacht, und das iſt das ungluͤck Ich ſehe,« fuhr er fort, indem er Valentin ernſthaft anſah,»ich ſehe, ob⸗ ſchon ich mich vielfach geirrt habe, daß das Organ des Muthes bei Ihnen außerordentlich entwickelt iſt. Gern un⸗ terſuchte ich einmal Ihren Kopf. Dieſes Organ hier, juſt uͤber dem Auge, ſcheint ſehr voll zu ſein, und tritt es mit jenem zuſammen, welches ſich dort unter dem Ohre befin⸗ det, ſo deutet es auf den vollkommenſten Muth. Doch ich wußte, daß Sie es haben wuͤrden, als ich Sie ſo wunder⸗ ſchoͤn untertauchen ſah. Auch bei den Enten finden wir es ungemein ſtark.«
»Ein Phrenolog, wie ich ſehe.«
»Die Wiſſenſchaft macht mir viel Vergnuͤgen. Ich kann Ihnen den Charakter eines Menſchen auf ein Haar ſagen⸗ Alle Organe habe ich in den Fingerſpitzen; dieſes, zum Beiſpiel„
»Sie haben da einen praͤchtigen Jungen,« ſagte Va⸗ lentin, während der Capitain ſeine Organe betaſtete;»er ſcheint ſehr aufmerkſam zu ſein.«


