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zum neunten Bande. 417
und mit Anſtrengung uͤbertragen hat⸗ Schlegel hat mehr wie einmal einen deutſchen Spaß ſtatt des Engliſchen gegeben, und dieſelbe Freiheit haben wir uns erlaubt.
Die Woͤrtlichkeit mußte alſo oft aufgegeben werden. In manchen Schauſpielen auch hie und da, vorzuͤglich im Macheth, die jezt beliebte, gewiſſermaßen zum Geſetz gediehene Art, einen Vers genau mit einem Vers zu erwiedern. In der Sommer⸗ nacht, den Irrungen, oder Richard II. und Richard III., wo Harmonie, Melodie, oder jener tragiſche Parallelismus vorherr⸗ ſchen, welchen letztern Shakeſpear in ſeiner Jugend ſehr beguͤn⸗ ſtigte, und den er niemals ganz aufgab, iſt es fuͤr den Deutſchen nothwendig, eben ſo einzutheilen. Im Macheth, Lear, Winter⸗ mährchen weniger: beſonders wenn man ſich erſt durch die alten Original⸗Ausgaben unterrichtet, wie wilkuͤhrlich unſre Editoren,
vorzuͤglich Steevens, die Verſe eingetheilt, hier Woͤrtchen hin⸗
weg gelaſſen, dort hinzugeſetzt haben. Denn der wahre drama⸗
tiſche Jambus, wie ihn vor allen andern Shakeſpear gebraucht, iſt noch wenig verſtanden worden. Es war meine Abſicht, hier noch eine kleine Abhandlung uͤber dieſen Gegenſtand einzuſchieben (wie ich auch in einem fruͤhern Bande ankuͤndigte), wenn nicht dieſe Noten ſchon zu vielen Platz einnaͤhmen.
Die Arbeiten Schlegels ſind bekannt. Vom Grafen W. Bau⸗ diſſin ſind: Heinrich VIII., den er ſchon vor vielen Jahren her⸗ ausgegeben hatte, Viel Laͤrmen um Nichts, Antonius, Maaß fuͤr Maaß, die luſtigen Weiber, Othello, Lear, Titus Andronicus, die Widerſpenſtige, die Irrungen, Ende gut, und Troilus und Creſſida.— Dieſes letzte Werk, welches die groͤßten Schwierigkei⸗ ten anbietet, iſt mit beſonderm Fleiß gearbeitet, dieſes, ſo wie Lear, Ende gut, und Maaß fuͤr Maaß machte viele Studien und haͤufige Aenderungen nothwendig. Von Liebesleid und Luſt iſt in den Noten geſprochen.
Mit welchem gruͤndlichen Fleiße Coriolan uͤbertragen iſt, wird der Kenner leicht unterſcheiden. Die beiden Veroneſer ſind darum ſchwierig, weil die leichte Fluͤchtigkeit, der ſchoͤne artige Witz dieſes Gedichtes faſt unmoͤglich wiederzugeben ſcheint. Der Ueberſetzer hat gewagt, und ſein Wagniß ſcheint mir gelungen. Timon bot durch ſeinen energiſchen Styl, durch den kyriſchen Zorn und die kecken Ueberſpruͤnge große Schwierigkeiten. Eben ſo, auf aͤhnliche Art das Wintermaͤhrchen. Cymbeline, durch die ſo bunte wech⸗ ſelnde Redeweiſe noch mehr: ich hoffe, der Ueberſetzer hat hier und noch mehr im Macbeth ſeinen Fleiß nicht ungluͤcklich angewendet.
„ Die Anmerkungen ſind bald kürzer, bald umſtaͤndlicher, weil ich auf manches hindeuten wollen, was andre Erklaͤrer nicht erör⸗


