zum neunten Bande. 41¹⁵
Buchenwalde iſt ſolch Wandern hoͤchſt truͤbſelig, und an etwas Aehnliches denkt hier Macheth. 8
S. 344. Macbeth.„Sie haͤtte ſpaͤter ſterben ſollen.“ Dieſer ſchoͤne, erſchuͤtternde Monolog, und durch ſeine Dunkelheit um ſo ſchoͤner, erfordert einige Erklaͤrung. Indem Mach. ſagt, die Koͤnigin haͤtte ein andres Mal ſterben koͤnnen, morgen oder uͤbermorgen u. ſ. w., ſcheint er mir nebenher an die fruͤheſten Leſeſtunden und den Unterricht des Knaben zu denken. To mor- row etc.— creeps in this petty pace from day to day; man muß faſt an den aufzeigenden Griffel im Schulbuch denken, der ſich im kleinen Schritt fort bewegt, to che last syllable, bis zur letzten Zeile, of recorded time,— recorded heißt nach den umſtaͤnden vielerlei, hier ſpricht ſich das naͤchſte aus, die ausge⸗ ſprochene, aufgeſagte(Schul-Ausdruck) der Zeit oder Gegenwart. Nach dieſer Erklaͤrung haben wir die Stelle etwas frei uͤberſetzt, um ſie deutlich zu machen.— unmittelbar faͤllt Macb. in neue Metaphern, um die Nichtigkeit des Lebens darzuſtellen.
Einige meiner Erklaͤrungen hat Herr Kaufmann in ſeiner Ueberſetzung des Macbeth aufgenommen.
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So iſt dieſe Arbeit beſchloſſen, die mich ſeit Jahren täglich und faſt ſtuͤndlich beſchaͤftiget hat. Wenn Leſſing ſagt: ſeines Fleißes darf ſich jedermann ruͤhmen: ſo haben meine beiden fleißigen Mit⸗ arbeiter und ich auf das Wohlthaͤtige dieſes Wortes großen An⸗ ſpruch. Nur iſt der Fleiß ſelbſt von deſſen Reſultat und der Wir⸗ kung etwas ganz Verſchiedenes. Was man an unſrer Arbeit aus⸗ ſetzen kann, iſt gewiß nicht aus Nachlaͤſſigkeit oder Uebereilung entſtanden, oft brachten wir eine Stunde damit zu, drei oder vier Verſe einer ſchwierigen oder dunkeln Stelle in Ordnung zu richten, ſchufen und verwarfen unendlich viele Ausdruͤcke und Ver⸗ ſuche, wenn der Ueberſetzer ſchon auf ſeinem Zimmer laͤngſt vorher die Aufgabe von allen Seiten bedacht zu haben glaubte. Aber gerade bei einer Ueberſetzung kann dieſe muͤhevolle Anſtrengung ſchaͤdlich werden: und vollends eines Dichters, wie Shakſpear! Wo es die Hauptſache iſt, das unmittelbare Leben, den Tieſſinn, den fluͤchtigen Geiſt, den oft blendenden Witz und die uͤberzeu⸗ gende Wahrheit ſeiner Figuren, die ſich in jeder Rede meldet, wieder zu geben. So iſt es moͤglich, daß mancher, der den Text nicht ſo genau kennt, als wir ihn ſtudirt zu haben glauben, hie und da den Vers leichter machen, oder eine freiere Wendung fin⸗ den kann, ohne der Kraſt zu ſchaden, denn derjenige, der einem
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