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zum neunten Bande. 407
Mordes war fie durch die Stille noch grauenhafter geſchildert. So wechſelt der große Dichter, um das wirken zu laſſen, was im Augenblicke ihm das Rechte iſt. Dieſe poetiſche Wahrheit iſt eine ganz andre, als jene, die unſre Buͤhnen jetzt ſo oft erſtre⸗ ben, und die ganz zu verwerfen iſt.
S. 302. Macd.—„Die Glocken ſtuͤrmt.“— To coun- tenance this horror! Ring the bell!— Obgleich die letzten Worte in die Rede wie den Vers paſſen, haben die Edit. ſie dem⸗ nach fuͤr eine Anweiſung gehalten, und ſtreichen ſie willkuͤhrlich aus dem Tert.
S. 303. Macb.—„Die Dolche abſcheulich von geronn'nem Blute ſchwarz.“— Man leſe lieber geronnenem Bl.— Dies Haͤkchen ſoll auch nur ſagen, daß man die ganz kurze Sylbe ſchnell und kurz ſprechen ſoll.
Their daggers unmannerly breech'd with gore.
Macb. ſpricht in dieſer Szene in gezwungenen und geſuchten Aus⸗ drucken: fehr oft wurde neben dem Degen ein Dolch getragen, es gehoͤrte der Dolch zum vollſtaͤndigen Anzuge. HOft trug man zwei Dolche neben dem Schwert, oder am Guͤrtel, zuweilen haͤngend, in le⸗ dernen Scheiden. Dieſe Scheiden konnten wohl breeches genannt werden, und ſo iſt hier breech'd with gore nur: ſie ſind ſo mit getonnenem Blut uͤberzogen, daß das ſtarre Blut ihren Scheiden breeches macht. Die Beinkleider, die Huͤllen der Schen⸗ kel breeches zu nennen, war nicht unedel, und ſo iſt es nichts Außerordentliches, wenn ſelbſt Macbeth hier zum erſtenmale die⸗ ſen Ausdruck brauchte. Dieſe Note waͤre uͤberfluſſig, wenn nicht Farmer eine ganz ungehoͤrige zu dieſer Stelle machte, der bei jeder Gelegenheit, liege es auch noch ſo weit ab, beweiſen will, in welcher unbegreiflichen Unwiſſenheit Shakſpear ſeine Laufbahn als Dichter begonnen und geendigt habe. Hier zeigt er, Sh. habe den franzoͤſiſchen Ausdrück haut-de chausses nicht gekannt. — Waͤre es, wie der gelehrte Farmer meint, ſo haͤtte das Pu⸗ blikum ohne Zweifel bei der Recitation dieſes Verſes ein lautes Lachen vernehmen laſſen.
S. 304 Banquv.—„und haben wir verhuͤllt der Schwaͤche Bloͤßen—
. And when we have our naked frailties hid, That suffer in exposure.
Gewiß nicht, wie Steevens und Malone erklären: und haben wir uns erſt wieder ſo bekleiden koͤnnen, daß uns dieſer rauhe und
kalte Morgen nicht ſchadet. Die Worte ſind, wie ſo vieles hier
metaphoriſch zu verſtehn. Haben wir unſre nackten, entblöſten Schwaͤchen verborgen, die in Blosſtellung leiden— d, h., haben wir uns von dieſem Schreck, der uns alle ſo erſchuͤttert, daß wir in dieſem Augenblicke nicht wiſſen, was wir reden oder thun,
— wo alſo jeder, auch der Unſchuldige, ſich blos geben koͤnnte,
wie wir uns auch ſprichwoͤrtlich ausdruͤcken. Macb. Laßt mit Entſchloſſenheit geruͤſtet,—


