Teil eines Werkes 
Neunter Theil (1833) Cymbeline
Entstehung
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zum neunten Bande. 403

forderung zur That, und das nachherige teach haͤtte mit dem Vorderſitze gar keinen Zuſammenhang.

Nun faͤllt ihm ein, daß er als Vaſall, und noch mehr als Wirth den Koͤnig ſchuͤtzen muͤſſe. Ihm aber, dem jungen Hel⸗ den, der bis jetzt verehrt wurde, und der ſich in Ruhm berauſcht hat, iſt es das Furchtbarſte, daß dieſer Mord des milden gelieb⸗ ten Königes den allgemeinen Abſcheu vor dem Moͤrder erregen

wird. In den vorigen Verſen hatte ſich die Phantaſie wieder

etwas beruhigt, jetzt erhitzt ſie ſich noch ſtaͤrker als zuvor und ſchafft Vild aus Bild: die Tugenden des Koͤniges

Will plead, like angels, trumpet- tongued, against

The deep damnation of' his taking off: Dies iſt das Racheſchrein, die Forderung der Strafe, die mit Trompeten-Zungen die Eugel ſelbſt ausrufen werden: aber nicht bloß Fluch und Wunſch der Rache, auch ein edles Mitleid wird ſich erheben.

And pity, like a naked new born babe,

Striding the blast, So zart, ſo innig ruͤhrend iſt dieſes Mitleid, daß es dem nack⸗ ten neugebornen Kinde gleicht, das aber, im allenthaben zu wirken, den raſchen Windſtoß, den Sturm beſchreitet, oder die Cherubim des Himmels ſelbſt

or heavn's cherubim, hors d

Upon the sightless couriers of the air, ſie fahren auf den unſichtbaren Rennern der Luft daher,

Shall blow the horrid dead in every eye

That tears shall drown the wind. So allgemein, ſo unermeßlich wird die Ruͤhrung ſeyn, daß dieſe

Thraͤnenfluthen ienen Sturm und Wind, die die Rachricht ge⸗

bracht haben, ertraͤnken werden. Hier ſind Kraft, Schnel⸗ ligkeit, die Winde ſelbſt die Hauptſache, und ienes nackte Mit⸗ leid, die Cherubim ſchnell vergeſſen. So verdraͤngt ein Bild das andre.

Ich habe keinen Sporn, ſo beſchließt er, um die Seiten meines Vorſatzes zu ſtacheln, I have no spur, to prick the sides of my intent but only vaulting ambition, als den anſpringenden Ehrgeiz, jenes erſte Bild' laͤßt er fallen, den Sporn; jetzt malt er den Springenden ſelbſt aus, der ſich zu haſtig, mit zu heftigem Anlauf auf ein Roß ſchwingen will, er uͤberſpringt ſich ſelbſt, und fällt jenſeit zu Boden. So ſpringt die Leidenſchaft in dieſem Monologe unſtät hin und wieder, haſcht dieſes und jenes Bild, um es alsbald wieder fallen zu laſſen: ſie malt die Nebenſachen aus, und widerſpr icht ſich, ſo in ſich ſelbſt vertieft, daß hier von der gewoͤhnlichen Correktheit gar nicht mehr die Rede ſeyn kann. Wer hier Stellen und Verſe tadeln will, ſollte lieber einſehn, daß, wenn er ernſter nach⸗ es ſich darum handelt, ob ein ſo großes Werk, wie dieſe Tragoͤdie von Macbeth da ſeyn duͤrfe, oder nicht, ob ſie und