394 Anmerkungen
ſonderbare Parſtellung fleberhafter Zuſtaͤnde, die vom Anbeginn ſich dem Wahnſinn und Wahnwitz naͤhern, ſchwierig, weil der Dichter faſt in allen Szenen dies durch dunkle Anſpielungen, Bilder, die in einander übergehn, und oft durch einen krampf⸗ haften, uͤbertriebenen Ausdruck hat nachahmen und darſtellen wollen. und hier iſt es nun, wo die Editoren, obgleich ſie die⸗ ſer Tragodie großen Fleiß gewidmet haben, ſo oft irren und dem Terte und dem Sinne des Dichters Gewalt thun. Man erlaube mir alſo, hier manchen Vers zu erläutern, und manche verwor⸗ fene Leſeart wieder her zu ſtellen, wo ich mich mit jenen Kriti⸗ kern nicht vereinigen kann. Dieſe Andeutungen veranlaſſen bei uns vielleicht ein genaueres Studium des Dichters.
S. 280. Erſte Szene. Hoͤchſt ſonderbar iſt dieſe Ein⸗ leitung, und ganz abweichend von der Art, wie Sh. ſonſt ſeine Schauſpiele eroffnet. Die Hexen, auf die wir nicht vorbereitet ſind, treten faſt nur auf, um ſich ſogleich wieder zu entfernen. Seit dem Ende des funfzehnten Jahrhunderts, kurz vor der Re⸗ formation und der Ausbildung des philologiſchen Studiums und mit der genauern Kenntniß der Alten, verbreitete ſich in den meiſten Laͤndern von Europa der Wahnſinn oder die Krankheit des Gemuͤthes, an Bezauberung zu glauben, an Heren, die die Menſchen ſchädigten, und Theologen wie Richter erfanden ein eignes Criminal⸗Recht fur dieſe Unglucklichen, Formen des Ver⸗ hoͤres und der Foltern, und vom Sabbath, dem Pakt mit dem Boͤſen, den Erſcheinungen u. ſ. w. wurden viele Buͤcher ange⸗ fuͤllt, und Tauſende, die ſich ſelber anklagten und von ihrem Verbrechen berzeugt waren, fielen als Opfer des herrſchenden Wahnwitzes. Jemehr ſich in Deutſchland die Reformation ver⸗ breitete, um ſo mehr wuchs auch dieſer Unſinn in unſerm Vater⸗ lande, denn nur hier wuͤtheten und mordeten die Hexenrichter die meiſten Schlachtopfer. In den uͤbrigen Laͤndern, in welchen die Gemuͤther nicht ſo aufgeregt waren, oder in denen große politi⸗ tiſche Begebenheiten die Menſchen ruͤhrten, war nicht ſo viel von dieſer Krankheit die Rede. Waͤhrend der Regierung der Eliſabeth waren einige merkwuͤrdige Prozeſſe uͤber Bezauberungen vorge⸗ kommen, doch war die Zeit zu gluͤcklich und die Stimmung des Volkes zu heiter, auch war politiſch und religios ſo viel zu ſchlichten und zu ordnen, Handel und Gewerbe bluͤhten, edle Miniſter und verſtändige Geiſtliche regierten, ſo daß dieſer dunkle Aberglaube ſich nicht zu merklich hervorthun konnte.
Als Jacob den Thron beſtieg, verwandelte ſich die Geſtalt des Landes, und durch die Schwaͤche des Regierenden ziemlich ſchnell. Dieſer Verſtändig⸗Kindiſche und Gelehrt-Unwiſſende, der abgeſchmackt lebte und doch oft fuͤr Kunſt und Poeſie einen ge⸗ bildeten Geſchmack zeigte, hatte eine beſondere Vorliebe fur dieſe Art des Aberglaubens, er hatte ſelbſt ein Buch uͤber Hexen und Bezauberungen geſchrieben. Der Koͤnig war nicht allgemein ge⸗ liebt, aber ſeine Gefinnung hatte doch ſo vielen Einfluß, daß


