zum neunten Bande. 393
Die Q. von 1597 lieſet: the flattering eye of sleep, welches viel unverſtaͤndlicher iſt, weshalb es der Dichter nachher aͤnderte. Daß Romeo in ſeiner heitern Stimmung ſo mit den Worten ſpielt, iſt gerade recht natuͤrlich.
S. 265.„Mir faͤllt ein Apotheker ein.“— Wie hat man nur je dieſe umſtaͤndliche Schilderung einer truͤbſeligen Armuth und Bettelhaftigkeit, gerade hier, in dieſer Lage, unnatuͤrlich ſinden koͤnnen! Auch das gleichguͤltige Auge ſieht dergleichen, auch der heitre Sinn ſchreibt es dem Gedaͤchtniſſe ein, verweilt aber nicht dabei, eben weil er heiter iſt. Das ploͤtzliche Unglück kehrt nur dieſe Geſtalten heraus, das Elend weidet ſich, ſie aus⸗ zumalen. Romeo bedarf keines Gedankens mehr, da ihn der Vorſatz zu ſterben einzig beherrſcht: er findet eine Art Troſt darin, dieſes Bild des Lebens in der Jaͤmmerlichkeit ſich recht deutlich zu machen.
S. 268.— Paris.„Auf's Brautbett, ſuͤße Blumen,
Blumen ſtreu' ich,“— Dieſe ſechs gereimten Verſe legte Shakſp. ſpaͤter ſtatt jener ſieben reimloſen ein, die nur in der Erſten mangelhaften Quart ſtehen. Die Editoren haben aber einen ſo unermuͤdlichen Widerwillen gegen die Reime des Dichters, daß ſie dieſe ſchoͤnen Verſe, die der elegante feine Paris als ein Schwanenlied ſeiner Braut und ſich ſingt, mit den reimloſen vertauſcht haben. Dieſe ſuͤße Poeſie bereitet durch ihren Ton jenes Schreckhafte, welches jetzt eintritt, viel beſſer vor.
S. 270. V. 4. v. o. Paris.„Ich kuͤmm're mich um
dein Erbarmen nicht.“ I do defy thy commiseration ſt. eonjuration, welches nur die fruͤhſte Quart hat.
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Wir ſchoben dieſe Tragoͤdie bis zuletzt auf, um ihr in aller Hinſicht den gehoͤrigen Fleiß widmen zu koͤnnen, denn von allen Werken des großen Autors moͤchte dieſes Gedicht wohl am ſchwer⸗ ſten zu verſtehn ſeyn, und dem leberſetzer die meiſten Schwierig⸗ keiten anbieten. Im Jahr 1606, unmittelbar nach Hamlet und Lear, iſt dieſes Werk gedichtet. Wir beſitzen nur eine authen⸗ tiſche Edition davon in der Erſten Folio von 1623, was ſehr zu veklagen iſt, weil auch Varianten oft zur richtigen Erklaͤrung helfen.
Wenn viele Schauſpiele des Dichters durch geſuchte Hofrede, andre durch wilde Leidenſchaft, manche durch feinen Witz und Wortſpiel ſchwer zu verſtehen ſind, ſo iſt Macbeth durch jene


