zum neunten Bande. 389
Folio uͤberſetzt, die gewoͤhnlichen Editionen haben die vom Dich⸗ ter verworfene Leſeart der erſten, mangelhaften Quart⸗Ausg. Es iſt ſchon bemerkt worden, daß ſehr haͤufig die Verbeſſerungen und Zuſaͤtze des Dichters den Editoren als geſucht, oder affektirt, anſtoͤßig ſind. Indeſſen muß dies der Autor ſelbſt verantworten, und die beſſere Critik ſieht mit andern Augen. Benvolio ſchildert und ſpricht hier geſucht, im feinen Hofton: das fruͤhere: I, mea- suring his affections by my own,— That most are busied when the are most alone,— war dem Verf. nicht beſtimmt genug, und er aͤnderte es ſo ab:
Which then most sought, might not be
ound,
Being one too many Py my weary self, allerdings geſucht und ſchwerfaͤllig, allein es ſagt mehr, als die geſtrichenen Verſe.
3. 14. v. u.„und dieſer ihre Schoͤnheit weihen kann:“— nach dem Orig.: or dedicate his beauty to the some, Gc. air) ſtatt sun.
S. 201. Gräf. Cap.„Was ſagſt da?“— Dieſe ganze Rede findet ſich nicht in der Erſten Ausg. Die Zuſaͤtze und Aenderungen Shakſp. ſind in der Regel geſuchter und gezwunge⸗ ner, als was er zuerſt, und zuweilen wohl eilig ſchrieb.
S. 202. Vierte Szene. In Benvolios erſter Rede ſind zwei Verſe weggeblieben, weil ſie ſich nur in der Erſten Quart ſinden. Die Edit. haben ohne allen kritiſchen Grundſatz gehan⸗ delt, da die ſpaͤtern Ausgaben doch offenbar die ſind, die der Dichter ſelbſt fuͤr die beſſeren erkannt hat.
S. 203. Merc.„Nun ſeh' ich wohl, Frau Mab hat Euch
beſucht
Die Frage Romeo's: Wer iſt ſie? iſt weg geblieben, weil die ſpaͤtern Ausg. ſie nicht haben, ſie auch, bei Mercutios Redſelig⸗ keit, überfluͤſſig iſt.
Der letzte Vers.—„Gehaſcht von eines Maͤdchens
muͤß'gen Finger.“— ein Floh nämlich,— ſo verſtehe ich den Vers: Prick'd from the lazy finger of a maid.— Prick, oft fuͤr: etwas ſpitz faſſen. Eben ſo ſteht from haͤufig fuͤr by, with.
S. 209. Nach dieſer Szene hat die Folio und die ſpaͤtere Quart wieder den Auftritt des Chorus, die erſte Quart nicht. Er iſt uͤberfluͤſſig.
S. 210. Romevo erſteigt die Mauer und ſpringt hinunter.— Eine Erklaäͤrung der Neuern. Bei Shakſpears Theater war dies ganz uͤberfluͤſſig. Er tritt, als er die Freunde
kommen hoͤrt, hinter den Verhang der kleinern Buͤhne in der
Mitte: die Freunde rufen ihn und gehn dann ab, und es bleibt dem Zuſchauer uͤberlaſſen, ſich die Szene ſelber auszulegen. Es iſt, wenn die Gefaͤhrten da ſind, eine Straße am Garten: wenn ſie gehn und Romeo tritt wider hervor, iſt es der Garten ſelbſt.


