382 Anmerkungen
Doch hat ſich auch bei keinem andern Werke der Ueberſ., wenn er nur irgend dem Hriginal nahe kommen wollte, ſo viele Freiheiten nehmen muͤſſen, als bei dieſem. Sollte es dem Ken⸗ ner ſcheinen, die Wagniß ſey hier und da Verwegenheit gewor⸗ den, ſo moͤge er es mit Nachſicht aufnehmen, weil es dem, der ſich in dieſe Comoͤdie, die gar keinen Stoff hat und ganz Luſt und Liebe iſt, voͤllig untertaucht, leicht begegnet, daß etwas von dem heitern Uebermuthe in ihn uͤbergeht. Scherze und Wunden, ſagt ein altes Sprichwort, laſſen ſich nicht genau ab⸗ meſſen.
Luſtſpiel, wie wir es jetzt beſitzen, iſt wohl 1594 oder 95 geſchrieben: wahrſcheinlich hat es aber mehrere Verbeſſe⸗ rungen und umarbeitungen erfahren, denn die Aufmerkſamkeit und die innige Liebe des Dichters zu ſeinem Werke ſieht man in jeder Zeile. Nachdem die Bürgerkriege ſchon beliebte Schauſpiele waren, ward Sh. durch Romeo, dieſe Liebes-Leid und Luſt, Venus und Adonis und Luctetia auch als eigentlicher Hichter (wie man die Sache damals anſah) beruͤhmt und hochgeſchaͤtzt. Dieſe Gedichte, ſo wie ſeine Sonette, muß man inne haben, um ſich ganz in die feine gewaͤhlte Sprache dieſes Luſtſpiels zu finden. Die Feinhrit dieſer Sprache iſt aber von einer ganz an⸗ dern Natur, als in den letzten Arbeiten des Hichters, wie in Cymbeline, oder dem Wintermährchen. Hier erregt der Gedan⸗ kenreichthum oft die Schwierigkeit des Verſtehns, im Luſtſpiel der poetiſche Schwung und Scherz.
S. 114. Z. 17. v. u. Bir.„Wie wir delphiſche Ausrufun⸗ gen vernehmen wuͤrden.“— as ve would hear an oracle.— In dem Briefe ſteht, ſo weiß Schaͤdel, von ſeinem Vergehn mit Jaquenette: er kann alſo wohl ſagen: immer hoͤrt der Menſch gern von fleiſchlichen Suͤnden; doch wenn er im Lert ſagt: Such is the simplicity of man to hearken after the flesh— ſo muß, da dieſer Clown immerdar nach Anſtoͤßigkeiten ſucht und ſie ſpricht, in dem Wort oracle noch irgend etwas ſeyn, das wir jetzt nicht mehr finden koͤnnen, was ſeiner Antwort etwas mehr Salz giebt. Der Ueb., der dieſes ausfuͤllen wollte, hat hier eine laͤcherliche Verdrehung mit Gluͤck angebracht.
S. 120. Jaqudnette tritt auf. Wie Armado geſucht und alterthümlich ſpricht, und in ſeiner Einfalt die Scherze des Pa⸗ gen nie begreift, ſo verſieht er auch hier die bäuriſchen Sprich⸗ woͤrtlichkeiten der ganz rohen und platt ſprechenden Jaquenette nicht. Dieſe Sprichwoͤrtlichkeiten aus dem gemeinſten Leben braucht Sh. nur ſelten.— Wenn Arm. alſo ſagt: ich will dich in the lodge beſuchen, antwortet ſie: that's hereby, ſchnippiſch, wie man bei uns ſagt: links um! oder: gleich um die Ecke! Er ant⸗ wortet in ſeiner Einfalt: ich kenne den Ort, und ſie: Lord how wise Jou are! wieder eine Sprichwoͤrtlichkeit, die auf grobe Weiſe den Sprechenden abfuͤhren ſoll.— Wunder, ſagt Armado, will ich dir verkuͤnden; er will ihr ſeine Liebe entdecken, und ſie
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