Anmerkungen zum neunten Bande. 375
In der geſuchten Hoſſprache, die alles fein und ſehr bedacht ausdruͤcken will, ein außerordentliches Lob; er lebte am Hofe, ſelbſt hier in Liebe und Lob der Erſte; a sample to the Voungest;
to the more mature, à glass that feated them:
Denen Juͤngſten konnte er unbedingt als ein Muſterbild da⸗ ſtehn: fuͤr die aber, die ſchon reifer waren, die ſchon die Po⸗ litur und Liebenswuͤrdigkeit des aͤchten Adels erlangt hatten, war er dennoch ein Spiegel, um vor dieſem, was hie und da am Schmuck noch fehlen koͤnnte, was ſich vielleicht nur verſchoben hatte, mit einem Wort: nur die letzte Hand zur Vollendung anzulegen— dies bedeutet hier that feated them: nicht aber, ſich vor dieſem anzukleiden. The graver, die ganz Ernſten, fuͤr deren Alter dieſe Politur, feine Sitte und Galanterle nicht mehr paßte, de⸗ ren feine Zier jetzt Weisheit und Jiefſinn war, gegen dieſe verhielt er ſich als Kind, und machte dieſe Weiſen zu Thoren, a child, that guided dotards: denn von ihm bezaubert, wollten ſie jene Feinheit und Zier der Jugend wieder nachahmen und wurden dadurch in ihrem Alter dotards.— So erklaͤren wir dieſe ſchoͤne Stelle, in der jede Sylbe mit großem Verſtande ab⸗ gewogen iſt, um das vollendete Bild eines jungen, edlen und liebenswuͤrdigen Hofmannes, im Style des Hofmanns ſelber, auszumalen. Um die Sprache Shakeſpears, ſelbſt den Englän⸗ dern, recht deutlich zu machen, iſt noch viel zu thun uͤbrig. Immer noch hoͤrt man von incorrecten Phraſen, von Eilfertig⸗ keit und nachlaͤſſiger Schreibart, Bildern und Gleichniſſen, die nur halb oder gar nicht paſſen u. dgl., und beachtet faſt nie die Forderungen der dramatiſchen Poeſie, wo die ſogenannte Incor— rectheit, die auch das ſtumpfe Auge wahrnimmt, durch die Stel⸗ lung, die Leidenſchaft und Laune zur Schoͤnheit werden kann. Und der groͤßte dramatiſche Dichter iſt auch bis auf die kleinſten Bedingniſſe der Spache hinab(die dann nicht mehr klein erſchei⸗ nen) als Meiſter anzuſehn.
S. 11. 3. 1. v. v.„So lang er machen konnte, daß ihn Auge
Uud Ohr vom andern unterſchied,“
As he could make me with his eye or ear
Pistinguish him from others;— Uneigentlich ausgedruͤckt, aber doch nicht noͤthig, daß wir: with this eye leſen. Beide ſtehn, er auf dem Verdeck des Schiffes, Piſanio auf dem Lande, und winken einander und rufen ſich nach. So lange er alſo durch Auge und Ohr, Rufen und Wink machen konnte, daß ich ihn immer noch von den andern unter⸗ ſchied, ihn irgend noch hoͤrte oder ſah. Wie eigen der Dichter make hier gebraucht, ſehn wir noch mehr in der Antwort der Imogen: Thou shouidst have made him a little Crow etc.
Jach,— wenn ſie einen Bettler genommen haͤtte, den nicht die hoͤchſten Gaben ſchmuͤckten.“ Dieſe Szene, wieder in der feinen Umgangsſprache der Hofleute ge⸗


