Teil eines Werkes 
Neunter Theil (1833) Cymbeline
Entstehung
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Anmerkungen

S. 351. Die ſonderbaren Geiſter, welche Edgar im ver⸗ ſtellten Wahnfinn hier und in fruͤheren Szenen nennt, ſie be⸗ zeichnet und von ihren Wirkungen ſpricht, alles dies bezieht ſich auf neuſte Ereigniſſe und Betruͤgereien, die damals, als das Schauſpiel gedichtet wurde, großes Aufſehn gemacht hatten. Die Jeſuiten hatten Beſeſſene geheilt und boͤſe Geiſter ausgetrieben, und dieſe Betrügereien, welche zugleich mit politiſchen Abſichten und Complotten in Verbindung ſtanden, wurden durch ein Buch, welches 1603 gedruckt wurde, aller Welt bekannt gemacht. In der vorgeblich beſeſſenen Familie, in welcher auch die Kammer⸗ maͤdchen ihre Rolle ſpielten und von eignen Teufeln gequaͤlt wa⸗ ren, wurden jene zum Theil poſſirlichen und laͤcherlichen Namen genannt. Wir haben ebenfalls in neuern Zeiten in Deutſchland aͤhnliche Dinge erlebt. Shakſp. origineller Geiſt verſtand es, dieſe ernſthaften Poſſen der furchtbarſten ſeiner Tragoͤdien bedeut⸗ ſam einzuweben.

S. 355. Dritte Szene. Wie bei den andern Werken die Folivausg. von 1623 der beſte Leiter iſt, ſo hat dieſe Ausg. den Lear auf ſehr merkwuͤrdige Weiſe, vorzuͤglich durch Auslaf⸗ ſungen, vernachlaͤſſigt. Als man 1623 die zwanzig fruͤher ge⸗ druckten Schauſpiele ſammelte, und die ſechzehn bis dahin noch nie gedruckten hinzu fuͤgte, konnte man ſich vielleicht mit dem Verleger, der 1608 den Lear gedruckt hatte, nicht einigen, und man nahm nun bloß das Theaterbuch, welches ſeltſam abgekuͤrzt war, da die Fol. ſonſt alles gedruckt hat, was auch in manchen Stuͤcken nicht mehr auf dem Theater geſprochen wurde. Die vo⸗ rigen Szenen ſind in der Fol. ſehr mangelhaft, und dieſe ſchoͤn geſchriebene dritte fehlt gaͤnzlich. Viele Umſtaͤnde moͤgen jene Ab⸗ kuͤrzungen herbeigefuͤhrt haben. Hie und da Ruͤckſichten auf die Theater⸗Cenſur, die nach Jakobs Tode, unter Carl I., viel ſtrenger wurde. Manche Anſpielungen mochten ſchon dunkel ge⸗ worden ſeyn, da kein Stuͤck des Bichters ſich ſo keck auf Ein⸗ zelheiten der neuſten Zeit bezieht. Manches hing von Theater⸗ Einrichtungen ab. Man kann bemerken, daß ſich in jedem Stuͤck des Dichters eine Nebenrolle befindet, die, ſey ſie noch ſo klein, wenn ſie ſelbſt nur eine einzige Rede zu ſprechen hat, mit großer Aufmerkſamkeit geſchrieben iſt. Shakſp., der Theil an der Di⸗ rection hatte, uͤbte in dieſen Parthieen die jungen Anfaͤnger, daß ſie in ſchoͤnen Verſen und Schilderungen die Kunſt der Rede lernten. Dieſe Parthieen ſind es, die die jetzigen Directionen zun Verzweiflung bringen, weil, alle Kraͤfte der Buͤhnen ſchon bis auf die letzten in Anſpruch genommen, dieſe unbedeutenden Ne⸗ benperſonen eigentlich Meiſter in der Kunſt verlangen, wenn dieſe ſchoͤnen Reden nicht laͤcherlich werden ſollen. Die Anfaͤnger da⸗ mals muͤſſen auf jeden Fall andere als die unſrigen geweſen ſeyn. Hatten ſich nun jene Anfänger ſpaͤter zu guten Schauſpielern herangebildet, ſo fehlte es vielleicht an einem Juͤngling, der dieſe ſchoͤne Szene wuͤrdig ſprechen konnte. Denn es iſt nicht zu