Teil eines Werkes 
Neunter Theil (1833) Cymbeline
Entstehung
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zum achten Bande. 369

daher Steevens und Molone hier die Anweiſung einſchieben: „Gloſter wird im Stuhl feſtgehalten, indeß Cornwall eins ſeiner Augen ausreißt und den Fuß darauf ſetzt“— ſo ſteht da⸗ von nichts weder im Folio noch der Quart-Ausg., wo alle dieſe Nachweiſungen in der Regel fehlen, weßhalb man die wenigen, die man dort jindet, ſehr wuͤrdigen muß.— Der Stuhl, in welchem Gloſter feſtgebunden wird, iſt derſelbe, welcher erhoͤht in der Mitte der Szene ſtand, in welchem Lear ſeine erſte Rede hielt. Dieſes kleinere Theater, in der Mitte, wurde, ſo oft es nicht gebraucht wurde, durch einen Vorhang bedeckt, der ſich als⸗ bald wieder oͤffnete, wenn es noͤthig war. Darum hat Sh., ſo wie alle Dichter jener Zeit, oft zwei Szenen zugleich; die Edeln ſtehn bei Heinrich VIII. im Vorzimmer, der Vorhang ſchiebt ſich beiſeit und man iſt im Zimmer des Koͤnigs. Ebenſo, wenn Cran⸗ mer im Vorzimmer warten muß, und ſich dann das Zimmer des Staatsrathes öffnet. So war hier der Vortheil, daß man durch die Saͤulen, die dieſes mittlere kleine Theater von dem Proſcenio oder der eigentlichen Buͤhne trennten, eine dop⸗ pelte handelnde Gruppe nicht nur hinſtellen, ſondern auch zugleich halb, oder theilweiſe bedecken“ konnte, und alſo zwei Szenen ſpielen, die verſtaͤndlich blieben, wenn man auch nicht Alles in dem kleineren Raume deutlich und ausdrucklich ſah. So ſaß nun Gloſter, wahr⸗ ſcheinlich bedeckt, und Cornwall neben ihm, iſt ſichtbar, Regan ſteht unten in der Vorbuͤhne, aber hartan Cornwall, in dieſer Vorbuͤhne, auf dem Theater ſelbſt iſt die Dienerſchaft. Cornwalt, ſchrecklich ge⸗ nug, reißt Gloſter mit der Hand das Auge aus, aber man ſieht es nicht unmittelbar, auch andre Diener, die den Stuhl halten, ſtehn umher, und der Vorhang iſt halb vorgezogen(denn er theilte ſich von zwei Seiten); der Ausdruck, den Cornw. braucht: ich will deine Augen mit Fuͤßen treten, iſt nur ſprichwoͤrtlich, und es iſt gewiß nicht gemeint, daß es ſichtlich geſchehn ſoll. Waͤhrend der hoͤh⸗ nenden Rede rennt einer der Diener zur hoͤheren Buͤhne hinauf und verwundet Cornwall, Regan, die unten iſt, nimmt einem andern Vaſallen den Degen und erſticht ihn, waͤhrend er noch kaͤmpft, von hinten. Die Gruppen ſind alle in Bewegung, und noch mehr verdeckt, und indem von der blutigen Szene die Auf⸗ merkſamkeit mehr abgezogen iſt, verliert Gloſter ſein zweites Auge. Man hoͤrt Gloſters Klage, indem man ihn nicht mehr ſieht. Er geht eben ſo ab, denn jene innere Buͤhne war auch zu Ausgaͤngen beſtimmt. Cornwall und Regan treten wieder ins Proſcenium und entfernen ſich ſeitwaͤrts, und einige Diener ſchließen mit Betrachtungen die Szene. So ſtelle ich mir die Handlung vor, die dadurch etwas gemildert wird. Der Dichter vertraute freilich dem ſtarken Geiſte ſeiner Freunde, die mehr von den Furchtbarkeiten der Darſtellung im Ganzen erſchuͤttert werden ſollten, um nicht bei Einzelnheiten, wie blutig ſie waren, zu ſehr zu verweilen, oder durch dieſe vom Ganzen ſtoͤrend zuruͤck ge⸗ ſchreckt zu werden,

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