368 Anmerkungen
S. 329. Erſte Szene des Dritten Akts. In dieſer ſchoͤnen Szene iſt die Folio mangelhaft: Dieſe Verſe ſind bei der Auffuͤhrung ſpaͤterhin nur ausgelaſſen worden, um das lange Stuͤck abzukuͤrzen.
S. 337 Z. 17 v. u. Edgar. Ein Verliebter. A serving man.— Eine Zeitlang war in England, wie noch in Italien, eine Art Cicisbeat in der feinern Welt Mode. Die Damen wurden von Verehrern bedient, served, servitor, hieß, wie in What you will, und an vielen Stellen,(ſ. die Veroneſer) ein Mann, der oͤffentlich einer Dame den Hof macht und ſich ihren Liebhaber nennt. Edgar braucht hier das ungewoͤhnliche ser- ving-man, meint aber daſſelbe.
S. 341. Sechſte Szene. Hier iſt wieder vieles, was im Folio fehlt.
S. 342 3. 9 v. o. Edg.„Habt Ihr keine Augen vor Ge⸗ richt, ſchoͤne Dame!“— Bei der Willkuͤhr, mit welcher Edgar in ſeinem verſtellten Wahnſinn ſpricht, um ſich nicht zu verrathen, oder nicht erkannt zu werden, iſt es ſchwer, ſelbſt un⸗ moͤglich, immer die Beziehung und den Zuſammenhang zu ent⸗ decken, oft ſollen es wohl auch nur, vorzuͤglich in dieſer Szene, Worte ohne Sinn und Bedeutung ſeyn. Johnſon will dieſe Rede noch dem Lear geben: Steevens meint, Edg. ſpreche zu einer fin⸗ girten Buhlerin, die beim Gericht die Augen aller auf ſich ziehen wolle: Want'st thou eyes at trial, madam? Es iſt aber moͤg⸗ lich, daß Kent ſich einen Augenblick im Schmerz das Geſicht be⸗ deckt, oder ſeine Thraͤnen verbergen will, oder der Narrz oder wie man ſich ſonſt etwas denken will.
S. 343. Lear.„Die kleinen Hund', ſeht,— alle bellen
mich an.“— Immer geht das Bewußtſeyn, daß er Koͤnig iſt, durch die Schmerzen und Abweſenheiten des Lear. Daß Kent ihn ſo eben etwas ſcharf angeredet hat, beleidigt und kraͤnkt ihn.
— Narr.„Und ich will um Mittag ſchlafen gehn.“ Dieſe kleine Stelle iſt ſpaͤterer Zuſatz, und ſoll nur dieſe furchtvare Szene mit einem halben Spaße ſchließen. Das Ergreifende iſt in Lears Rede, der jetzt erſt, in der Erſchöpfung es fuͤhlt und ſich erinnert, daß er nicht zu Abend gegeſſen hat; er will am Morgen zu Abend ſpeiſen: er vergißt ſein Prunkbett nicht, die Vorhaͤnge, die noch jetzt in England ein jedes Bette haben muß.
S. 347 Z. 5 v. o. Cornw.„Sehn wirſt du's nimmerz
halte feſt den Stuhl,
Auf deine Augen ſetz' ich meinen Fuß.“ Dieſe Szene, welche offenbar zu grauſam iſt, und durch ihre nahe Gegenwart ſelbſt unſre Sinne verletzt, iſt durch die Erklaͤ⸗ rung und eingeſchobene Scenery— noch unmenſchlicher gemacht. Faſt immer, wenn die Neuern eine ſolche ſzeniſche Erklaͤrung verſuchen, kommen ſie auf falſche Wege, weil ihnen die Archi⸗ tektur und Einrichtung des alten Theaters nicht gegenwaͤrtig iſt, und ſie dies immerdar mit unſerm neuern verwechſeln. Wenn


