364 Anmerkungen
ſie iſt nicht vollig todt, und in dem furchtbaren Aufruhr des Ge⸗ muͤthes erſticht er ſie mit dem Dolch, halb aus Mitleid, halb aus Angſt, wie bewußtlos, ihren und ſeinen Qualen ein Ende zu machen. Obgleich der Tert ſelbſt von dieſem Erſtechen nichts meldet(wie denn faſt immer dieſe Erklaͤrungen der Handlung ausgelaſſen ſind), ſo kann man ſich die Szene doch nur ſo als moͤglich denken. Mit dieſen Wunden kann Desdemonn nachher noch einige Worte ſprechen und alsbald ſterben: wenn ſie blutet, kann ſie ausſagen, ſie habe ſich ſelbſt ermordet: will der Mohr auch nur einen Augenblick luͤgen, ſo iſt ein Erwuͤrgter(ſ. Glo⸗ ſters Tod in Heinrich VI.) wohl mit dem zu verwechſeln, den ein ploͤtzlicher Schlag gekoͤdtet: alles dies, da wir auch die Au⸗ toritaͤt fruͤherer Schauſpieler fuͤr uns hatten, bewog uns, die Szene auf dieſe Art zu erklaͤren. Die Eintretenden erkennen auch alsbald den Mord, und keiner erwaͤhnt des Erwuͤrgens. Daß Othello in dieſer Eile der Verzweiflung ſeinen erſten Vorſatz ver⸗ gißt, iſt wohl eben ſo natuͤrlich, als daß er ſich ſelber anklagt, und nicht mehr daran denkt, ſein Leben zu ſichern. Auch Stee⸗ vens iſt derſelben Meinung.
S. 274 Z. 14 v. v. Emilie.„O theure Frau,“— Dieſe Rede Emiliens, ſo wie Othellos folgende fehlen in der Erſten Q.
S. 275 12 v. o. Em.„In ihrem Bett liegt meine Frau ermordet“— bis zu Jago's Worten: Was! biſt du toll?— wieder Zuſatz.
S. 277 Z. 12 v. u. Oth.„Seyd nicht erſchreckt,— dieſe ſchönen, wenn auch etwas dunkeln Verſe— bis:„Bleich wie dein Tuch!“ ſind wieder ſpaͤtere Einſchaltung.— Seht ihr mich auch bewehrt, weapon' d, ausgeruͤſtet, ſo bin ich dennoch nicht zum Weiterſegeln beſtimmt, ſondern ich habe das Ziel ſchon er⸗ reicht, here is my butt, die Seemarke, wie weit die Schiffe ſich dem Lande naͤhern koͤnnen, And very sea mark, das aller⸗ letzte Zeichen— of my utmost sail— auch der groͤßten Anſtren⸗ gung, des Segels oder Schiffes, welches ſich am weiteſten wa⸗ gen duͤrfte. Mich wundert, daß die Editoren dieſe Stelle keiner Anmerkung gewuͤrdigt haben. Utmost sail kann auch heißen, das Schiff, was ſchon ſein Letztes gethan hat.
S. 280 3. 6 v. o. Wo ein vornehmer tuͤrkſcher Muſel⸗ mann l. tuͤckſcher. Druckfehler.
———
Kn i er
Dieſe groͤßte Tragoͤdie iſt, wie man mit ziemlicher Gewiß⸗ heit angeben kann, 1605 gedichtet. Wir haben, außer der Folio eine fruͤhe Quart-Ausgabe dieſer Tragoͤdie von 1608. Dieſe Ausgaben weichen oft von einander ab, und es iſt wieder lehrreich, die Zuſätze zu bemerken, die ſich nur in der Folio finden, oder die Stellen, die ſie abgekuͤrzt hat.


