Sz. 7. Cymbeline. 2
Mit Worten geben kann; und follt ihn finden, In allem, was mein Thun vermag. Jach. Dank, ſchoönſte Frau.— Ha! Wie? ſind Menſchen toll? Gab die Natur Das Aug' um arzuſchaun des Himmels Bogen, Und dieſen reichen Schatz von See und Land? Das trennend unterſcheidet Stern von Stern, Und Stein von Stein am kieſelreichen Strand? Und kann ſolch koͤſtliches Organ nicht fondern Häͤßlich von ſchoͤn? Imog. Was macht Euch ſo erſtaunen? Jach. Im Auge kann's nicht ſeyn; denn Aff' und Pavian Wird, bei zwei ſolchen Weibchen, dahin plappern, Und der Geſichter ziehn: Auch nicht im Urtheil; Der Blodſinn wird als weiſer Richter, Schoͤnheit Wohl unterſcheiden: Noch in Luͤſternheit; Schmutz, ſolchem reinen Glanz entgegen, zwaͤnge Den leeren Magen der Begier zum Brechen, Nicht lockt' er ihn zur Speiſe. Imog. Herr, was iſt Euch? Jach. Der uͤberfuͤte Wille, die Begier, Satt und doch ungeſättigt; dieſes Faß, Voll und doch leck, frißt erſt das Lamm, und luͤſtert Dann noch nach dem Gedärm. Imog. Was, theurer Herr, Reißt Euch ſo hin? feyd Ihr nicht wohl? Jach. Dank, Fuͤrſtin; mir iſt o— Ich bitt' Euch, reund, Sucht meinen Diener auf wo ich ihn ließ: Er iſt hier fremd und blöde. Piſ. So eben wollt' ich gehn, ihn zu begruͤßen. (er geht ab.) Imog. Wie geht es meinem Gatten? iſt er wohl? Jach. Prinzeſſin, er iſt wohl. Imog. Und iſt er frohen Muth's? Ich hoff', er iſt es. Jach. Ausnehmend aufgeweckt; kein Fremder dort Iſt ſo voll Scherz und Heiterkeit: man nennt ihn Den ausgelaßnen Britten. Imog. Als er noch hier war, Neigt' er ſich oft zur Schwermuth; wußt' er gleich Selbſt nicht warum.


