Sz. 4. Cymbeline. 11
So lang' er machen konnte, daß ihn Auge
Und Ohr von andern unterſchied, blieb er
Auf dem Verdeck, mit Handſchuh, Tuch und Hut Stets winkend, wie der Sturm und Drang der Seele Ausdruͤcken konnt' am beſten, wie ſo langſam
Sein Herz von hinnen zieh', wie ſchnell ſein Schiff.
Imog. Er mufßte klein wie eine Kraͤh' dir werden, Und kleiner, eh' du aufgabſt, nachzuſchaun.
Piſ. Das that ich, gnaͤd'ge Frau.
Imog. Zerriſſen haͤtt' ich mir die Augennerven, Nur um nach ihm zu ſehn, bis die Verklein'rung Des Raums ihn zugeſpitzt wie meine Nadel:
Ihm ſchaut' ich nach, bis er verſchmolzen waͤre Von Kleinheit einer Muͤck' in Luft; und dann Haͤtt' ich mich abgewendet und geweint.— Piſanio, ſprich, wann hoͤren wir von ihm?
Piſ. Gewiß mit naͤchſter Schiffsgelegenheit.
Imog. Wir nahmen Abſchied nicht, und noch viel Huͤbſches Wollt' ich ihm ſagen: zu erzählen wuͤnſcht' ich,
Wie ich ſein daͤcht' in der und jener Stunde, Gedenkend dies und das; und ſchwoͤren ſollt' er, Italiens Liebchen moͤchten nicht verlocken Mein Recht und ſeine Ehro; ich wollt' ihn noͤth'gen, Um ſechs Uhr Morgens, Mitternacht und Mittag Mir betend zu begegnen, weil ich dann Fuͤr ihn im Himmel bin: ich wollt' ihm geben Den Abſchiedskuß, den in zwei Zauberworte Ich eingeſchloſſen;— da tritt ein mein Vater, Und wie der grimme Hauch des Nordens, ſchuͤttelt Er unſre Knospen ab, eh ſie erbluͤht.
(Eine Hofdame tritt auf.)
Zofd. Die Koͤn'gin wuͤnſcht Eu'r Hoheit Gegenwart.
Imog. Waos jch dir aufgetragen, das beſorge.— Der Koͤn'gin wart' ich auf.
piſ. Wie Ihr befehlt. (Alle ab.)


