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6 Cymbeline. A. I.
Imog. O heuchleriſche Guͤte! Schmeichelnd kitzelt Die Schlange, wo ſie ſticht!— Geliebter Mann, Wohl fuͤrcht' ich etwas meines Vaters Zorn, Doch nicht(mein heilig Buͤndniß ausgenommen) Was ſeine Wuth mir thun kann: du mußt fort; Ich bleibe hier zuruͤck, ein ſtuͤndlich Ziel Erzuͤrnten Blick's; nichts troͤſtet mich im Leben, Als daß die Welt das Kleinod noch bewahrt, Es wieder einſt zu ſehn.
Poſth. O meine Kön'gin! Herrin, Geliebte, weint nicht mehr; daß mich Verdacht nicht treffe weich'rer Zärtlichkeit Als ſie dem Manne ziemt! Ich bleib' auf ewig Der treu'ſte Gatte, der je Treu' gelobte. In Rom nun wohn' ich, bei Philario dort, Der meines Vaters Freund war, doch mit mir Durch Briefe nur verbunden: dorthin ſchreibe, Und mit den Augen trink' ich deine Worte, Iſt Galle gleich die Tinte.
(Die Königin kommt zurück.)
Roͤn. Eilt, ich bitte! Denn wenn der Koͤnig kommt, ſo faͤllt auf mich Wer weiß wie viel von ſeinem Zorn. Cbeiſeit.) Doch fuͤhr' ich Ihn dieſes Weges: kraͤnk' ich ihn auch ſtets, Mein Unrecht kauft er ab, verſoͤhnt zu ſeyn; Zahlt mein Verſuͤnd'gen ſchwer. (geht ab.)
Poſth. Naͤhmen wir Abſchied So lange Zeit als wir noch leben ſollen, Der Schmerz der Trennung wuͤchſe ſtets; leb' wohl! Imog. O, nicht ſo raſch; Ritt'ſt du nur aus um friſche Luft zu ſchoͤpfen, Zu kurz waͤr' ſolch ein Abſchied. Sieh, Geliebter, Der Demant iſt von meiner Mutter: nimm ihn; Bewahr ihn bis ein andres Weib du frei'ſt, Iſt Imogen geſtorben. Poſth. Wie! ein andres?— Ihr Goͤtter, laßt mir die nur, die ich habe, Und wehrt mir die Umarmung einer andern Mit Todesbanden!— Bleib', o bleibe hier, So lang' hier Leben wohnt!(er ſteckt den Ring an.) Und, Suͤße, Holde,


