4 Cymbeline. A. I.
Mit ſo viel innerm Werth und aͤußrer Schoͤnheit Sey jemand ſonſt begabt. 2. Edelm. Ihr uͤbertreibt. 1. Edelm. Ich meſſ' ihn nur weit unter ſeiner Groͤße; Druͤck' ihn zuſammen, ſtatt ihn zu entfalten In voller Macht. 2. Edelm. Wie iſt ſein Nam' und Stamm? 1. Edelm. Deß Wurzel iſt mir nicht enthuͤllt: Sicilius, So hieß ſein Vater, kaͤmpft' einſt Ruhm bekraͤnzt Gegen die Roͤmer, mit Caſſibelan; Doch vom Tenantius hatt' er ſeine Wuͤrden, Dem er mit Glanz und ſeltnem Gluͤck gedient: So ward er Leonatus zubenannt: Er hatte, außer jenem edeln Sohn, Zwei andre noch, die, in dem Kriege damals, Das Schwert in Haͤnden, fielen, was des Greiſes Zu heft'ge Vaterliebe ſo erſchuttert', Daß er ſich todt gehaͤrmt; ſein edles Weib, Schwanger mit dem, von dem wir ſprechen, ſtarb Bei der Geburt. Da nimmt das Kind der Konig 8 In ſeinen Schutz, und nennt ihn Poſthumus Leonatus; Laͤßt ihn erziehn, macht ihn zu ſeinem Pagen, Und giebt zu jeder Wiſſenſchaft ihm Zutritt, Fuͤr die ſein Alter reif: das ſog er ein, Wie wir die Luft, es augenblicks begreifend; Sein Fruͤhling ward ſchon Herbſt; er lebt' am Hofe (Was moͤglich kaum) in Lieb' und Lob der Erſtez Dem Juͤngſten Muſterbild, dem Reiferen Ein Spiegel fuͤr des Schmucks Vollendung, und Ein Kind den Ernſtern; die zu Thoren wurden, Um fuͤhren ſich zu laſſen; ſeiner Gattin, Fuͤr die er jetzt verbannt,— ihr eigner Werth Zeigt, wie ſie ihn und ſeine Tugend ſchaͤtzte; In ihrer Wahl koͤnnt ihr am beſten leſen, Was fuͤr ein Mann er iſt. 2. Edelm. Ich ehr' ihn ſchon In Eurer Schild'rung. Doch, ich bitt' Euch, ſagt mir, Iſt ſie des Koͤnigs einz'ges Kind? 3 1. Edelm. Sein einz'ges. Zwei Söhne hatt' er(duͤnkt's Euch merkenswerth, So hoͤrt mir zu): der aͤlteſte drei Jahr, Der andr' in Windeln, wurden ſie geſtohlen


