6S3 Koͤnig Lear.
Und wirkt wohl gutes; aber ſprich nur weiter, Dein Anſehn iſt, als haͤtt'ſt du mehr zu ſagen⸗ Alb. Iſt es noch mehr, mehr leidvoll noch, ſo ſchweig, Denn ich din nah' daran mich aufzuloͤſen, Dies hoͤrend⸗ Edg. Dies erſchien als hoͤchſtes wohl Dem, der den Gram nicht liebt: jedoch ein Andres, Noch ſteigernd, was zuviel ſchon, uͤberragt Das alleraͤußerſte. Als ich laut ſchrie vor Schmerz, da kam ein Mann Der mich geſeh'n in meinem tiefſten Elend, Und meine ſchreckliche Geſellſchaft floh: Nun aber, da er hoͤrte, wer es ſen, Der dies ertrug, ſchlug er die ſtarken Arme Mir um den Hals, und heulte laut Zum Himmel auf, als wolt' er ihn zerſprengen; Warf ſich auf meinen Vater hin, erzaͤhlte Von ſich und Lear die kläglichſte Geſchichte, Die je ein Ohr vernahm: im Sprechen ward Sein Schmerz ſo uͤbermenſchlich, daß die Straͤnge Des Lebens ſchon ihm zweimal riſſen: da Klang die Trompet', ich ließ ihn halb entſeelt. Alb. Doch wer war dieſer? Edg. Kent, der verbannte Kent, der in Verkleidung Nachfolgte dem ihm feindgeſinnten Koͤnig, Und Dienſte that, die keinem Sklaven ziemten. (Ein Edelmann kommt in voller Eile mit einem blut'gen Meſſer.)
Edg. Wem helfen? Alb. Sagt uns an!— Edg. Was meint der blut'ge Dolch? Edelm. Er raucht, iſt heiß; Er kommt friſch aus dem Herzen— o ſie iſt todt!— Alb. Wer todt? Sprich Mann! Edelm. Herr, Eure Gattin: ihre Schweſter iſt Von ihr vergiftet; ſie bekannt' es ſelbſt. Edm. Ich war verlobt mit beiden, alle Drei Vereinigt jetzt ein Augenblick. (Kent tritt auf.)


