380 Koͤnig Lear.
Der ſo mir obgeſiegt? Biſt du ein Edler, Vergeb' ich dir. Edg. Laß uns Erbarmung tauſchen.
Ich bin an Blut geringer nicht als du;
Wenn mehr, ſo mehr auch that'ſt du mir zu nah.
Edgar heiß' ich, bin deines Vaters Sohn.
Die Götter ſind gerecht: aus unſern Luͤſtrn
Erſchaffen ſie das Werkzeug uns zu geißeln.
Der dunkle ſuͤnd'ge Ort, wo er dich zeugte,
Bracht' ihn um ſeine Augen. Edm. Wahr, o wahr!—
Ganz kam das Rad herum, ich liege hier.
Alb. Mir ſchien dein Gang ſchon königlichen Adel
Zu kuͤndigen: ich muß dich hier umarmen. Gram ſpalte mir das Herz, haßt' ich jemals Dich oder deinen Vater.
Edg. Wuͤrd'ger Fuͤrſt
Das weiß ich. Alb. Doch, wo waret Ihr verborgen? Wie kam Euch Kunde von des Vaters Elend?
Edg. Indem ich's pflegte, hoͤrt ein kurzes Wort; Und iſt's erzaͤhlt, o braͤche dann mein Herz!— Der blut'gen Achtserklaͤrung zu entgehn,
Die mir ſo nah war:—(o wie ſuͤß das Leben!— Daß ſtuͤndlich wir in Todesqualen ſterben
Lieber als Tod mit Eins!) verhuͤllt' ich mich
In eines Tollen Lumpen; nahm ein Anſehn, Daß Hunde ſelbſt mich ſcheuten: ſo entſtellt Fand ich den Vater mit den blut'gen Ringen, Beraubt der edlen Steine; ward ſein Leiter, Juͤhrt' ihn und bettelte fuͤr ihn und ſchuͤtzt' ihn Vor der Verzweiflung: nie gab ich mich kund, Bis ich vor einer halben Stund' in Waffen, Nicht ſicher, doch voll Hoffnung dieſes Siegs, Uum ſeinen Segen fleht', und von Beginn
Zum Ende meine Pilgerſchaft erzaͤhlte;
Doch ſein zerſpaltnes Herz, ach ſchon zu ſchwach, Den Kampf noch auszuhalten zwiſchen Schmerz Und Freud', im Uebermaaß der Leidenſchaft Brach laͤchelnd.
Edm. Deine Red' hat mich geruͤhrt,


