zum ſiebenten Bande. 369
Das Erlebte dieſes hier geſchilderten Menſchenhaſſes giebt dieſem unpopularen Gedichte eine eigenthuͤmliche Erhabenheit; jeder Gedanke und Ausdruck wiegt ſchwer; dieſe Praͤciſion, die abgewogene Sprache, die Seltſamkeit der Wendung, das oft Wilde in Schilderung der Leidenſchaft, macht aber auch dieſes Stuͤck zu einem der ſchwierigſten des Dichters.
Wunderlich iſt es, daß die Ausleger und Editoren wenig⸗ ſtens eben ſo viel gethan haben, um den Autor zu verdunkeln, als ihn aufzuhellen. Man kann nicht genug vor ihren Verbeſ⸗ ſerungen warnen. Zu bekannten Dingen fehlen die Anmerkun⸗ gen nicht, zu zweideutigen werden Parallel-Stellen, paſſende und unpaſſende, herbei geſchleppt, die fuͤr den Liebhaber und Forſcher wenigſtens den Nutzen haben, daß mancher ſonſt nicht abzureichende Vers bekannter gemacht wird: bei den wirklich ſchwierigen Reden aber laſſen uns dieſe redſeligen Erinnerer ge⸗ wohnlich ganz der Gefahr des Verirrens Preis gegeben, ja es ſcheint oft, als wenn ſie vor vielem Erklären verlernt haͤtten, die wahren Schwierigkeiten zu ſehen. Ich erinnere daran nur, damit man ſich nicht wundre, wenn wir in der Ueberſetzung faſt niemals dieſen Emendationen gefolgt ſind. Es iſt unmoͤglich, je⸗ desmal nachzuweiſen, warum unſer Tert vom gewoͤhnlichen ab⸗ weicht; der Kenner oder Beurtheiler wird ja hoffentlich im Be⸗ ſitz einer kritiſchen Ausgabe ſeyn, die ihm wenigſtens die alten, weggeworfenen Leſearten meldet. Fuͤr dieſe Kenner, nicht Lehr⸗ linge, ſind die Noten, die er hier findet, die wenigſtens weder dem Malone, noch Steevens, oder Drake und Nares nachſpre⸗ chen. Keiner der Neuern(wie ich ſchon ſonſt geſagt habe) ver⸗ dient ſo viel Aufmerkſamkeit als Gifford, deſſen Ausgabe des B. Jonſon und Maſſinger hoͤchlich zu loben ſind, wenn ich mich gleich bewogen fuͤhle, hie und da auch von ſeinen Erklaͤrungen abzuweichen.
S. 170. Dichter. Wie ein Gewand iſt unſre Poeſie,
Heilſam wo man es hegt—
Hier leſen die neuern Ausgaben:
Our poesie is as a gum, which oozes From whence'tis nourished;
Die Folio hat die Stelle ſo: Our poesie is as a gown, which uses From whence'tis nourished;
Die Aenderung iſt gewaltthaͤtig und der Dichter ſagt etwas un⸗
bedeutendes, jedenfalls aber das Entgegengeſetzte von dem, was
ihm der Verf. in den Mund legt. Statt: unſre Poeſie iſt wie
ein Gummi, Harz, das da ausquillt, wo es im Stamm oder Baum genaͤhrt wird— alſo eine natuͤrliche, unfreiwillige Er⸗
gießung— meint dieſer Poet; ſeine Kunſt, die ſchmeichelnde des
Gelegenheits-Dichters, iſt einem Gewande zu vergleichen, was demjenigen, der es beſtellt, bezahlt, nuͤtzlich iſt. Hart, gezwun⸗ gen und dunkel ausgedrückt, aber doch verſtaͤndlich. Freilich ganz
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