368 Anmerkungen
nicht mehr, wie ſo viele andre in dieſem Luſtſpiel. Die Edito⸗ ren fuͤhren ſelbſt die Stellen aus Schriftſtellern an, in welchen scarre nichts anders als Fels, ſteiles Gebirge bedeuten kann.
Die beiden Veroneſer.
Es ſcheint faſt, daß dieſe beiden Luſtſpiele ohngefaͤhr in der⸗ ſelben Zeit geſchrieben ſind, denn auch dieſes hoͤchſt anmuthige Gedicht beurkundet einen Poeten, der ſich ſeines Gegenſtandes noch nicht ganz bemeiſtern kann, um ihn mit aller Freiheit zu beherrſchen. Nur hat dieſes leichte, ſpielende Luſtſpiel wohl keine Zuſaͤtze in der reiferen Zeit des Dichters erhalten. Wenn Ende gut ſchwerfaͤllig, dunkel und geſucht in allen Szenen iſt, die von der ältern Bearbeitung uͤbrig geblieben ſind, ſo iſt hier die Sprache allenthalben klar, leicht und fluchtig, ja der Vers iſt nicht ſelten, auch in den ſchoͤnen und reizenden Stellen, nur duͤnn. Kann man dieſe beiden Luſtſpiele auch nicht zu den Kunſtwerken und den vollendeten Gedichten zahlen, ſo verdienen ſie dennoch unſre Aufmerkſamkeit und Liebe: jenes durch ſeinen tiefen Sinn, die Charakteriſtik der Perſonen und die Kraft der Szenen; die Veroneſer durch die leichte Klarheit und einen Spaß und Witz, der ſo fluchtiger und leichter Natur iſt, wie wir ihn, beſonders in der Rolle des Flink, bei Shakſpear nie wieder finden. Scherz jeder Art, wie Humor, erwarten den Sinn und das Entgegen⸗ kommen des Genießenden, am meiſten aber, wenn er ſo gar nicht mit einem Stoffe verknuͤpft iſt, und mit Situationen, die an ſich ſchon, wie in den„luſtigen Weibern“ zum Lachen auffor⸗ dern. Wer dieſen poetiſchen Sinn beſitzt, ſich am unbedeutenden Spiel zu ergoͤtzen, wird unſerm ueberſetzer danken, wo ihm die Arbeit gelungen iſt, und Nachſicht uͤben, wenn er hie und da (wohl nur ſelten), das Hriginal verdunkeit fuͤhlt.
Wir haben dieſe Comoͤdie nur in der Folio, darum iſt es Stellen ſchwer, mit Sichercheit die rechte Leſeart zu inden.
Timon von Athen.
Ein Werk aus den reifſten Jahren des Dichters, ein tragi⸗ ſcher, tiefſinniger Nachklang des Hamlet, Macbeth, Lear. Bie tragiſche Finſterniß jener herviſch-mythiſchen Gedichte, ſenkt ſich hier in die Szenen einer nahen buͤrgerlichen Gegenwart und ver⸗ wandelt die Gewöhnlichkeit in ein furchtbares und philoſophiſches Maͤrchen.


