zum ſechſten Bande. 363
Der Widerſpenſtigen Zähmung.
Iſt nicht vor 1606 oder 1607 geſchrieben. Der Ton des Gedichtes iſt ſo leicht, daß viele verſucht worden ſind, dieß Luſt⸗
ſpiel dem Shakſpear abzuſprechen.
In den sSix o1d Plays(1779 herausgegeben) iſt ein Luſtſpiel abgedruckt, welches denſelben Gegenſtand behandelt. Es hat die Einleitung wie das neuere, und manche Einfaͤlle und Redensar⸗ ten finden ſich in dieſem, die der neuere Bearbeiter aufgenommen hat. Dieſes Luſtſpiel muß faſt zwanzig Jahr aͤlter ſeyn, und ohngefaͤhr 1589, 90 geſchrieben ſeyn⸗ Wenn man die auf⸗ fallende Aehnlichkeit der Sprache und des Verſes mit dem aͤltern King John, ſo wie mit dem Loorin, ja ſelbſt mit der erſten Aus⸗ gabe der Buͤrgerkriege bemerkt, ſo wird der Kenner, der Sh. in allen ſeinen Eigenthuͤmlichkeiten und nicht bloß obenhin kennt, vielleicht wenig Bedenken finden, das alte Luſtſpiel fuͤr eine ha⸗ ſtige Jugend⸗Arbeit des Bichters zu halten.
S. 199. Einleitung. Dergieichen Vorſpiele oder Ein⸗ leitungen waren beim alten engliſchen Theater nichts Seltenes. Wir finden ſie zur„Spaniſchen Tragoͤdie“ oder„Hieronimo,“ zu⸗ weilen bei B. Jonſon und Fletcher, bei alten Stuͤcken von un⸗ bekannten Autoren, bei den anerkannten des Sh. nur vor die⸗ ſem Luſtſpiel. Dieſelbe Einleitung war durch das alte Stuͤck vielleicht beliebt, die Zuſchauer waren gewoͤhnt ſie zu ſehn, und ſo wiederholte der Dichter den Scherz hier auf wuͤrdigere Weiſe.
Schlau.„Still, ſagt Jeronimd.“— Die Anſpielungen auf dieſen Hieronimo, eine der aͤlteſten Tragoͤdien der Englan⸗ der, findet man ſehr haͤufig bei allen Dichtern jener Jahre, weil das Schauſpiel(vielleicht urſpruͤnglich ſchon um 1575 geſchrieben) lange ein Volksſtuͤck blieb. Es wurde uͤberarbeitet und erhielt Zuſätze, ſogar vom beruͤhmten B. Jonſon, der es am meiſten verſpottet.
S. 201. War es nicht Soto, den Euer Gnaden meint.—
Sh. macht hier dem Schauſpieler und dem Fletcher ein Compliment. In der Folio wird der redende Schauſpieler auch mit ſeinem Namen, Sinklo, genannt; dieſer war ein Mitglied der Geſellſchaft, zu welcher Shakſp. gehoͤrte. In Fletcher's Luſt⸗ ſpiel: Women pleas'd(Th. 8.) erſcheint eine luſtige Perſon, Soto, der Sohn eines Pächters.— Eigentlich bewirbt ſich dieſer Soto um kein Frauenzimmer im Stuͤck, und einige Ausleger haben deshalb zweifeln wollen, ob die Comoͤdie Fletcher's gemeint ſey. Da aber der Name, als Sohn des Pachters zutrifft, ſo iſt wohl anzunehmen, daß der Lord im Citiren nicht ſo genau iſt; er kann die Scene meinen, in welcher Soto in den Kleidern ſeines Herrn, um deſſen Melancholie zu heilen, auf einer Leiter zum Fenſter der Dame hinauf klettert. In einer ſpaͤtern Scene tritt Soto als May⸗Graf, als Anfuͤhrer der May-Spiele und Morisken⸗


