344 Troilus und Creſſida. AM
Dies Klausner⸗Mitleid laß bei unſrer Mutter; Und haben wir den Panzer umgeſchnallt, Dann ſchweb' auf unſern Schwerdtern giftge Rache, Das Mitleid zuͤgelnd, und mit Leid ſie ſpornend. Zect. Pfui, Wilder, pfui! Troil. Hector, dann iſt es Krieg! Zect. Heut wuͤnſcht' ich, Troilus, du bliebeſt heim! roil. Wer hielte mich zuruͤck? Nicht Schickſal, nicht Gehorſam, ſelbſt nicht Mars Mit feur'gem Stab gebietend meinen Ruͤckzug: Nicht Hecuba noch Priam auf den Knie'n, Mit Augen roth von vittrer Thraͤnen Salz,— Noch du, mein Bruder, mir mit tapferm Schwerdt Entgegendrohend, ſperrteſt mir den Weg, Als durch den Tod⸗
(Caſſandra kommt zurück mit Priamus.)
Caſſ. Leg Hand an ihn, o Priam, halt ihn feſt: Es iſt dein Stab, verlierſt du deine Stuͤtze,— Auf ihn gelehnt, und Troja's Volk auf dich, Sinkt alles hin mit Eins. Priam. Bleib, Hector, bleib; Dein Weib ſah Träume, deine Mutter Zeichen, Caſſandra weiſſagt Ungluͤck, und ich ſelbſt, Wie ein Prophet in plotzlicher Verzuͤckung, Verkuͤnde dir, der Tag iſt vorbedeutend. Drum kehr zuruͤck! Zect. Aeneas harrt im Feld; Und manchem Griechen hab' ichs zugeſagt Ins Angeſicht des Ruhms, an dieſem Morgen Mich ihm zu ſtellen. Priam. Dennoch ſollſt du bleiben. Sect. Ich darf mein Wort nicht brechen. Ihr kennt mich pflichtgedenk; drum, theurer Herr, aßt mich die Ehrfurcht nicht verletzen; laßt Auf Eur Geheiß und Wort dem Lauf mich folgen, Den Ihr mir jetzt verweigert, hoher Fuͤrſt. Caff O, Priam, gieb nicht nach. Androm. Thu's nicht, mein Vater.— Zect. Andromache, ich bin erzuͤrnt auf dich. Bei deiner Liebe fordr' ich's, geh' hinein. (Andromache ab.)


