Teil eines Werkes 
Siebenter Theil (1832) Ende gut, alles gut
Entstehung
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340 Troilus und Creſſida. X.

Troil. Um mirs im Geiſt recht tief noch einzuprägen, Sylbe fuͤr Sylbe, was ich hier gehoͤrt.— Doch ſag' ich, wie die beiden hier gehandelt, Werd' ich das Wahre kuͤndend dann nicht luͤgen? Denn immer noch wohnt mir ein Glaub' im Herzen, Ein Hoffen alſo feſt und unverwuͤſtlich, Das laͤugnet, was mir Aug und Ohr bezeugt; Als wenn die Sinne, uns zum Trug erſchaffen, Nur als Verlaͤumder thaͤtig hier gewirkt. Wars Creſſida? Ulyſſ. Denkſt du, ich banne Geiſter? Troil. Gewiß, ſie wars nicht! „ Ulyſſ. Ja, gewiß, ſie wars. Troil. Nun, mein 1hh ſchmeckt doch nicht nach ollheit? Ulyſſ. Auch meins nicht. Creſſida war eben hier. Troil. Um Aller Frauen Ehre, glaubt es nichtt Denkt daß wir Muͤtter hatten, gebt nicht Recht Den rohen Laͤſt'rern, die auch ohne Grund Die Frau'n erniedern,— jedes Weib zu meſſen Nach Creſſida: ehr denkt, ſie war es nicht!— Ulyſſ. Was that ſie Fuͤrſt, das unſre Muͤtter trafe? Troil. Nichts, gar nichts, wenn dieß Creſſida nicht war. S Will er ſeinen Angen einen blauen Dunſt vor⸗ machen Troil. Dieß waͤre ſie? Nein dieß iſt Diomedes Creſſida! Hat Schoͤnheit Seele, dann war ſie es nicht. Wenn Seele folgt dem Eid, wenn Eide heilig, Wenn Heiligkeit den Goͤttern Wonne iſt, *) Wenn Maaß und Ordnung in der Einheit walten, Dann war ſie's nicht. O Tollheit einer Pruͤfung, Die Gruͤnde fuͤr und gegen ſich erfindet

*) So nach der Folio⸗Ausgabe. Nach der Quarto: Wenns Sinn iſt an die Weſenheit zu glauben Dann war ſie's nicht. O Tollheit einer Prüfung, Die Gründe für und gegen ſich erfindet; Zwiefält'ge Ueberzeugung, wo Vernunft In Selbſtempörung nicht verlohren geht,

Und der Verluſt allſeitig, ohn Empörung Vernunft und Gründe faßt! So iſt es Creſſida, und iſt es nicht!—