Sz. 3. Ende gut, Alles gut. 17
Zel. Das bin ich nicht!— Graͤfin. Bin ich nicht deine Mutter? Zel. Ach, verzeiht!— Graf Ronſſillon kann nie mein Bruder ſeyn; Ich bin von niederm, er vom hoͤchſten Blut; Mein Stamm gering, der ſeine weitberuͤhmt: Er iſt mein Herr und Fuͤrſt: mein ganzes Leben Hab' ich als Dienerin ihm treu ergeben: Nennt ihn nicht meinen Bruder;— Gräfin. Und mich nicht Mutter? Sel. Ja, meine Mutter ſeyd Ihr; waͤrt Ihr doch (Muͤßt Euer Sohn nur nicht mein Bruder ſeyn) Ganz meine Mutter; waͤr't uns beiden Mutter, Das wuͤnſcht' ich, wie ich mir den Himmel wuͤnſche Nur ich nicht, ſeine Schweſter! Iſts nur dann vergoͤnnt, Wenn Er mir Bruder wird, daß Ihr mich Tochter nennt? Graͤfin. Wohl, Helena; Du koͤnntſt meine Schwiegertochter ſeyn.— Hilf Gott! du denkſt es wohl? Mutter und Tochter Stuͤrmt ſo auf deinen Puls: nun wieder bleich? Mein Argwohn hat dein Herz durchſchaut; nun ahnd' ich Das Raͤthſel deiner Einſamkeit, die Quelle Der bittern Thraͤnen; offenbar nun ſeh' ich Du liebtſt ihn, meinen Sohn: Verſtellung ſchaͤmt ſich Dem lautern Ruf der Leidenſchaft entgegen Mir Nein zu ſagen; darum ſprich die Wahrheit: Sag mir, ſo iſt's: denn deine Wangen, Kind, Bekennens gegenſeitig; deine Augen Sehn es ſo klar in deinem Thun geſchrieben, Daß ſie vernehmlich reden: nur die Zunge Feſſeln dir Suͤnd' und hoͤlliſcher Eigenſinn, Die Wahrheit noch zu hehlen. Iſts nicht ſo? Wenn's iſt, ſo ſchuͤrzteſt du'nen wackern Knoten!— Ils nicht, ſo ſchwoͤre, Nein: doch wie's auch ſey, Wie Gott mir helfen mag dir beizuſtehn, Ich fordre daß du Wahrheit ſagſt. Sel. Verzeihung! Graͤfin. Sprich! Liebſt du Bertram? Bel. Theure Frau, verzeiht! Graͤfin. Liebſt du ihn? Zel. Gnaͤdge Frau, liebt Ihr ihn nicht?—
Graͤfin. Das frag' ich nicht. Ich habe Pſticht und Grund VII.


