16 Ende gut, Alles gut. A. I.
armen Nymphen uͤberraſcht worden, ohne Schutzwehr fuͤr den erſten Angriff, noch Entſatz im ferneren Kampf. Dieß klagte ſie mit dem Ausdruck des bitterſten Schmerzes, in dem ich je ein Maͤdchen habe weinen hoͤren; ich hielt es fuͤr meine Pflicht, Euch eiligſt davon zu unterrichten; ſin⸗ temal, wenn hieraus ein Ungluck entſtehen ſollte, es Euch gewiſſermaßen wichtig iſt, vorher davon zu erfahren.
Gräfin. Ihr habt dieß mit Revlichkeit ausgerichtet, be⸗ haltets nun für Euch. Schon vorher hatten mich manche Vermuthungen hierauf gefuͤhrt; ſie hingen aber ſo ſchwan⸗ kend in der Wagſchale, daß ich weder glauben noch zwei⸗ feln konnte. Ich bitte Euch, verlaßt mich nun. Verſchließt
redliche Sorgfalt, ich will hernach weiter mit Euch daruͤber ſprechen. 8(Haushofmeiſter ab.) So mußt' ich's, als ich jung war, auch erleben. Natur verlangt ihr Recht: der ſcharfe Dorn Ward gleich der Jugendroſe mitgegeben, Die Leidenſchaft quillt aus des Blutes Born, Natur bewaͤhrt am treuſten ihre Kraft Wo Jugend gluht in ſtarker Leidenſchaft; Und denk ich jetzt der Fehl' in vor'gen Stunden, Hab ich den Irrthum damals nicht gefunden.— — Es macht ihr Auge krank, ich ſeh es wohl. (Helena tritt auf.) Bel. Was wuͤnſcht Ihr, gnaͤd'ge Frau? Gräfin. Du weißt, mein Kind, ich bin dir eine Mutter. Hel. Meine verehrte Herrin! Grafin. Eine Mutter.— Warum nicht Mutter? bei dem Worte: Mutter, Schien's, eine Schlange faͤhſt dn: wie erſchreckt dich Der Name Mutter? Ich ſage, deine Mutter; Und trage dich in das Verzeichniß derer Die ich gebar. Wetteifern ſehn wir oft Pflegkindſchaft mit Natur, und wunderſam Eint ſich der fremde Zweig dem eignen Stammz Mich quaͤlte nie um dich der Mutter Aechzen, Doch zahlt' ich dir der Mutter Liebe dar:— Um's Himmelswillen, Kind! Erſtarrt dein Blut, Weil ich dich gruͤß' als Mutter? Sag, wie komits Daß dir die kranke Heroldin des Weinens, Die mannigfarb'ge Iris, kraͤnzt dein Auge?— Weil du mir Tochter biſt?
dieß alles in Eurer Bruſt, und ich danke Euch fuͤr Eure


