Sz 3. Ende gut, Alles gut. 1⁵
Worauf ſie ſeufzt, und weinen thut, Und ſpricht: da koͤnnt Ihr ſehn, Auf Neun Gottloſe Eine gut,
Iſt Eine doch von Zehn.
Graͤfin. Was? Eine gut auf Zehn? du verdrehſt ja das Lied, Burſch.
Marr. Eine gute Frau unter Zehnen, Graͤfin, ſo heißt die verbeſſerte Lesart der Ballade. Wollte Gott nur alle Jahr ſo viel thun, ſo haͤtte ich uͤber die Weiberzehnten nicht zu klagen, wenn ich der Pfarrer waͤre. Eine unter Zeh⸗ nen? Das glaub' ich! Wenn uns nur jeder Comet Eine gute Fran braͤchte, oder jedes Erdbeben, ſo ſtaͤnde es ſchon ein gut Theil beſſer um die Lotterie: jetzt kann ſich Einer das Herz aus dem Leibe ziehn, ehe er eine trifft.
Gräfin. Werdet Ihr bald gehn, Herr Taugenichts, und thun was ich Euch befahl?
Marr. Daß ein Mann einer Eva'stochter gehorchen muß, und es erfolgt kein Aergerniß! Zwar iſt Ehrlichkeit kein Pu⸗ ritaner, aber dennoch ſoll ſie diesmal kein Aergerniß geben, und den weißen Chorrock der Demuth uͤber dem ſchwarzen Prieſterkleide ihres unmuthigen Herzens tragen. Ich gehe, verlaßt Euch drauf, ich ſoll an Helena ſagen, hieher zu kommen. Cab.)
Graäfin. Nun, alſo?
aushofm. Ich weiß, gnaͤdige Frau, Ihr liebt Euer Fraͤulein von Herzen.
Gräfin. Allerdings; ihr Vater hinterließ ſie mir, und ſie ſelbſt kann, abgeſehn von ihren Vorzuͤgen, mit allem Recht auf ſo viel Liebe Anſpruch machen, als ſie bei mir findet. Ich bin ihr mehr ſchuldig, als ich ihr zahle, und werde ihr mehr zahlen, als ſie fordern wird.
Haushofm. Gnaͤdige Frau, ich war ihr neulich naͤher, als ſie vermuthlich wuͤnſchen mochte: ſie war allein, und ſprach mit ſich ſelbſt, ihr eignes Wort ihrem eignen Ohr: ſie glaubte,— das darf ich wohl beſchwoͤren,— es werde von keinem Fremden vernommen. Der Inhalt war, ſie liebe Euern Sohn. Fortuna, ſagte ſie, ſey keine Goͤt⸗ tin, weil ſie eine ſo weite Kluft zwiſchen ihren Verhaͤltniſ⸗ ſen errichtet habe; Amor kein Gott, weil er ſeine Macht nicht weiter ausdehne, als auf gleichen Stand; Diana keine Koͤnigin der Jungfrauen, weil ſie zugebe, daß ihre


