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Sz. 1. Ende gut, Alles gut. 5
Zel. Wenn der Lebende dem Gram Feind iſt, wird die⸗ ſem das Uebermaaß bald todtlich werden.
Bert. Theure Mutter, ich bitte um Euer Gebet fuͤr mich.
Laf.(indem er Helena anſieht.) Wie verſtehn wir das? Gräfin. Dich ſegn' ich Bertram! gleiche deinem Vater An Sinn, wie an Geſtalt: Blut ſo wie Tugend
Regieren dich gleichmaͤßig: deine Guͤte Entſpreche deinem Stamm. Lieb' Alle, Wen'gen trauez Beleid'ge Keinen: ſey dem Feinde furchtbar, Durch Kraft mehr als Gebrauch; den Freund bewahre So wie dein Herz. Laß dich um Schweigen tadeln, Doch nie um Reden ſchelten. Was der Himmel Dir ſonſt an Segen ſpenden, und mein Beten Erflehn mag, fall auf dieſes Haupt! Leb wohl.— Mein Herr, noch nicht gereift zum Hofmann iſt er; Berathet ihn!— Laf. Was meine Liebe mag, ſey ihm gewaͤhrt. Gräfin. Der Himmel ſegne dich! Bertram, leb wohl.
(ab.)
Bert.(zu Helena.) Die beſten Wuͤnſche, die in der Werkſtatt Eurer Gedanken reifen konnen, moͤgen Euch dienſibar ſeyn! Seyd der Troſt meiner Mutter, Eurer Ge⸗ bieterin, und haltet ſie werth!—
Laf. Lebt wohl, ſchoͤnes Kind; Ihr muͤßt den Ruhm Eures Vaters aufrecht erhalten.
(Bertram und Lafeu gehn ab.)
Zel. Ach, waͤrs nur das! des Vaters denk' ich kaum; Und jener Großen Thraͤne ehrt ihn mehr,
Als ſeiner Tochter Gram.— Wie ſah er aus? Vergeſſen hab ich ihn: kein andres Bild
Wohnt mehr in meiner Fantaſie als Bertram. Ich bin verloren! Alles Leben ſchwindet Dahin, wenn Bertram geht. Gleichviel ja waͤr's, Liebt' ich am Himmel einen hellen Stern,
Und wuͤnſcht' ihn zum Gemal; er ſteht ſo hoch! An ſeinem hellen Glanz und lichten Strahl Darf ich mich freun; in ſeiner Sphaͤre nie!
So ſtraft ſich ſelbſt der Ehrgeiz meiner Lebe: Die Hindin, die den Loͤwen wuͤnſcht zum Gatten, Muß liebend ſterben. O, der ſuͤßen Qual,


