Teil eines Werkes 
Siebenter Theil (1832) Ende gut, alles gut
Entstehung
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6 Ende gut, Alles gut. A. I.

Ihn ſtuͤndlich anzuſehn! Ich ſaß, und mahlte

Die hohen Brau'n, ſein Falkenaug, die Locken

In meines Herzens Tafel, allzu offen

Fuͤr jeden Zug des ſuͤßen Angeſichts!

Nun iſt er fort, und mein abgoͤttiſch Lieben

Bewahrt und heiligt ſeine Spur. Wer kommt?

(Parolles tritt auf.)

Sein Reiſefreund. Ich lieb' ihn ſeinethalb,

Und kenn' ihn doch als ausgemachten Luͤgner,

Weiß, er iſt Narr im Haufen, Einzeln Memme: Doch dieß beſtimmte Boͤſe macht ihn ſchmuck,

Und haͤlt ihn warm, indeß ſtahlherz'ge Tugend

Im Froſt erſtarrt. Dem Reichthum, noch ſo ſchlecht, Dient oft die Weisheit arm und nackt als Knecht.

Par. Gott ſchuͤtz Euch, meine Koͤnigin.

Bel. Und Euch, mein Sultan.

Par. Der? Nein!

Bel. Und ich auch nicht.

Par. Denkt Ihr uͤber das Weſen des Jungfrauen⸗ thums nach?

Zel. Ja, eben. Ihr ſeyd ſo ein Stuͤck von Soldaten; Laßt mich Euch eine Frage thun. Die Maͤnner ſind dem Jungfrauenthum feind; wie koͤnnen wirs vor ihnen ver⸗ ſchanzen?

Par. Weiſ't ſie zuruͤck.

Zel. Aber ſie belagern uns, und unſer Jungfrauen⸗

thum, wenn auch in der Vertheidigung tapfer, iſt den⸗ zeh ſchwach; Lehrt uns einen kunſtgerechten Wider⸗ and.

Par. Alles vergeblich: die Maͤnner, ſich vor Euch unterminiren Euch, und ſprengen Euch in die uft.

Zel. Der Himmel bewahre unſer armes Jungfrauen⸗ thum vor Minirern und Luftſprengern! Giebts keine Kriegs⸗ politik, wie Jungfrauen die Maͤnner in die Luft ſprengen koͤnnten?

Par. Laͤht ſich denn ein vernuͤnftiger Grund im Natur⸗ recht nachweiſen, das Jungfrauenthum zu bewahren? Ver⸗ luſt des Jungfrauenthums iſt vielmehr verſtaͤndige Zunahme;