Teil eines Werkes 
Sechster Theil (1831) Titus Andronicus
Entstehung
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340 Die Comoͤdie der Irrungen. A. V.

Und Sorg' und die entſtell'nde Hand der Zeit, Schrieb fremde Furchen in mein Angeſicht. Doch ſag mir: kennſt du meine Stimme nicht? Ant. v. E. Auch dieſe nicht. Aeg. Du auch nicht, Dromio? Drom. v. E. MNein, in der That nicht, Herr. Aeg. Ich weiß, du kennſt ſie! Drom. v. E. Ich Herr? Ich weiß gewiß, ich kenn' Euch nicht; und was ein Menſch auch immer laͤugnen mag, Ihr ſeyd verbunden ihm zu glauben jetzt. Aeg. Auch nicht die Stimm'? O Allgewalt der Zeit! Laͤhmtſt und entnervtſt du ſo die arme Zunge In ſieben kurzen Jahren, daß mein Sohn Richt meines Grams verſtimmten Laut mehr kennt? Ward gleich mein runzlich Angeſicht umhuͤllt In flock'gen Schnee des ſaftverzehrenden Winters, Erſtarrten gleich die Adern meines Bluts, Doch hat die Nacht des Lebens noch Gedaͤchtniß, Mein faſt erloſchnes Licht noch matten Schein, Mein halbbetaͤubtes Ohr vernimmt noch Toͤne, Und all die alten Zeugen truͤgen nicht, Und nennen dich mein Kind Antipholis! Ant. v. E. Nie ſah ich meinen Vater, ſeit ich lebe! Aeg. Du weißt doch, es ſind jetzt ſieben ahr Seit du wegzogſt von Syracus: vielleicht Schaͤmſt du dich, mich im Elend zu erkennen? Ant. v. E. Der Herzog, wer in der Stadt mich kennt, Kann mir beſtät'gen, das es nicht ſo iſt; Nie ſah' ich Syracus in meinem Leben. Zerz. Ich ſag' dir, Syracuſer, zwanzig Jahr Lebt' unter meinem Schutz Antipholis, Und war ſeitdem noch nie in Syracusz Dich macht Gefahr und Alter, ſcheint mir, kindiſch.

(Die Nebtißin kommt mit Antipholis von Syracus und Dromio von Syracus.)

Aebt. Mein Fuͤrſt, viel Unrecht that man dieſem Mann. (Alle drängen ſich ihn zu ſehn.)

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