338 Die Comödie der Irrungen. A. V.
Die ich, Gott weiß! noch nie geſehn: deshalb Bieß er durch einen Haͤſcher mich verhaften.— Ich ſchwieg und ſandte meinen Burſchen heim Nach baarem Geld: allein er brachte nichts, Drauf redet' ich dem Haͤſcher freundlich zu, 1 Mich ſelber zu begleiten in mein Haus:
Da traf ich unterwegs Mein Weib, die Schweſter, und ein ganzes Pack Von mitverſchwornem Volk! mit dieſen war
Ein Meiſter Zwick, ein blaſſer Hungerleider,
Ein wahres Beingeripp, ein Charlatan,
Ein Taſchenſpieler, ſchaͤb'ger Gluͤcksprophet,
Hohlaͤug'ger Schlucker mit geſpenſt'gem Blick Wie ein lebendig Todter: dieſer Unhold,
Ei denkt doch! ſpielte den Beſchwoͤrer nun;
Sah mir in's Auge, fuͤhlte mir den Puls,
Rief Geiſterbleich, ich ſeh von Geiſtern ſelbſt Und boͤſem Spuk beſeſſen:— darauf fiel Der Schwarm mich an, band mich, und riß mich fort, Und in ein finſtres dumpfes Loch des Hauſes Warf man uns beide, mich und ihn, gebunden;
Bis mit den Zaͤhnen ich das Band zernagend In Freiheit kam, und Angenblicks hieher Zu Eurer Hoheit lief. Nun fleh ich Euch,
Mir vollige Vergeltung zu gewaͤhren,
Fuͤr dieſe Kraͤnkung und unwuͤrd'ge Schmach.
Ang. Mein Fuͤrſt, furwahr, ſo weit bezeng' ich's
ihm Er ſpeiſ'te nicht zu Haus, man ſperrt' ihn aus. Zerz. Doch, gabſt du ihm die Kette, oder nicht?
Ang. Ich gab ſie ihm; und als er hier hinein lief, Sah'n allé noch die Kett' an ſeinem Hals,
Raufm. Zudem verſichr' ich: hier mit eignen Ohren Hoͤrt' ich Euch eingeſtehn der Kett' Empfang, Rachdem Ihrs auf dem Markt erſt abgelaͤugnet Und deshalb zog ich gegen Euch den Degen.
Darauf verbargt Ihr Euch in der Abtei, Aus der Ihr, ſcheint mirs, durch ein Wunder kamt.
Ant. v. E. Niemals betrat ich dieſen Kloſterhof, Noch zogſt du je den Degen gegen mich!
Die Kette ſah ich nie, ſo helf mir Gott, Und falſch iſt alles, deß Ihr mich beſchuldigt!—
*


