336 Die Comoͤdie der Irrungen. A. V.
Und will uns nicht geſtatten ihn zu holen, Noch ſelbſt ihn ſenden, um ihn heim zu ſchaffen⸗ Deshalb, o edler Herzog, gieb Befehl Ihn auszuliefern, daß ihm Huͤlfe werde. Zerz. Schon lange diente mir dein Mann im Krieg, Und ich verſprach dir auf mein fuͤrſtlich Wort, Als du zu deines Beites Herrn ihn waͤhlteſt, Ihm alle Huld und Liebe zu erweiſen. Geh wer von Euch, kiopf' an das Kloſterthor, Und ruf' die Frau Aebrißin zu mir her; Ich will die Sach' entſcheiden, eh' ich gehe.
(Ein Diener kommt.)
Dien. Ach, gnaͤd'ge Frau, eilt fort, und rettet Euch! Denn Herr und Knecht ſind wieder losgebrochen; Die Maͤgde alle nach der Reih' geprugelt, Der Doctor feſtgebunden, und ſein Bart Mit Fguerbraͤnden ſchmaͤhlich abgeſengt: So oft er flammte, goſſen ſie aus Eimern Schlammwaſſer druͤber hin, das Haar zu loſchen. Jetzt predigt ihm mein Herr Geduld, indeß Der Burſch wie einem Narrn den Kopf ihm ſcheertz Und wahrlich, ſchickt Ihr Huͤlfe nicht ſogleich, Die beiden bringen Euch den Zaubrer um. Adr. Schweig, Narr, dein Herr ſo wie ſein Burſch ſind hier, Und alles iſt erlogen was du ſprichſt. Dien. Bei meinem Leben, Frau, ich rede wahr; Ich habe kaum geathmet ſeit ichs ſah! Fr ruft nach Euch, und ſchwoͤrt, wenn er Euch greift, Er ſeng' Euch das Geſicht, und zeichn' es ſchlimm. (Lärm hinter der Szene.) Horcht! horcht! ich hoͤr' ihn Fraut entflieht nur ſchnell! Zerz. Kommt her, ſeyd fpihtie ſtellt Euch, Helle⸗ arden! Adr. O Gott! es iſt mein Mann! Ihr alle zeugt, Er iſt unſichtbar durch die Luft gefuͤhrt! Roch eben hielt das Kloſter ihn verwahrt, Nun iſt er hier, und kein Verſtand begreifts. (Antipholis von Epheſus, und Dromio von Epheſus treten auf.)
Ant. v. E. Gerechtigkeit!—
*


