Sz. 1. Die Comödie der Irrungen. 335
Den Weg zu jenem melanchol'ſchen Thal, Dem Platz des Tods und ernſten Hochgerichts, Der hinter dieſes Kloſters Graͤben liegt.
Ang. Und weshalb kommt er?
Raufm. Um einen wuͤrd'gen Syracuſer Kaufmann, Der wider dieſer Stadt Geſeh und Recht Zu ſeinem Ungluͤck in den Hafen lief, PVor allem Volk enthaupten hier zu ſehn.
Ang. O ſtill, ſie kommen; ſchaun wir ſeinen Tod. Luc. Knie vor dem Herzog, eh' er weiter geht!—
(Der Herzog tritt auf; ihm folgen Aegeon mit bloßem Haupte, der Scharfrichter und Gerichtsdiener.)
Zerz. Noch einmal macht es oͤffentlich bekannt: Wenn hier ein Freund die Summe zahlen will, So ſterb' er nicht, mehr koͤnnen wir nicht thun.
Adr. Gerechtigkeit,
Erhabner Herzog, gegen die Aebtißin!
Zerz. Sie iſt'ne wuͤrd'ge, tugendhafte Dame; Unmoͤglich hat ſie je dein Recht gekraͤnkt.—
Adr. Erlaubt, o Herr, Antipholis, mein Gatte Gebieter uͤber mich und all mein Gut (Nach Eurem Brief und Siegel) ward heut krank (O Tag des Weh's!) an hoͤchſt unbaͤnd'gem Wahnſinn; So daß er raſend durch die Straßen lief,
Mit ihm ſein Diener, wie er ſelbſt verruckt,
Und viele Buͤrger dieſer Stadt verletzte,
In ihre Haͤuſer dringend, Gold und Ringe,
Und was nur ſeiner Wuth gefiel, ſich raubend⸗— Schon einmal ſandt' ich ihn gebunden heim,
Und gieng umher, den Schaden zu verguͤten,
Den hier und dort ſein Wahnſinn angerichtet. Drauf,— Gott mag wiſſen, wer ihm half zur Flucht,— Entſprang er denen, die ihn huͤteten.
Die beiden nun, er und ſein toller Knecht,
Im ſtaͤrkſten Anfall, und mit bloßem Schwerdt Begeanen uns aufs neu; wir muͤſſen weichen
Vor ihrer Tobſucht, bis wir Huͤlfe finden,
Sie abermals zu feſſeln: hierauf fliehn ſie
In dieſes Kloſter, und wir folgen nach:—
„Und nun ſchließt die Aebtißin uns die Pforte,


