Teil eines Werkes 
Sechster Theil (1831) Titus Andronicus
Entstehung
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Sz. 1. Die Comoͤdie der Irrungen⸗ 333

Doch erſt heut Nachmittag iſt ſeine Krankheit Zu dieſem hochſten Grad von Wuth geſteigert. Aebt. Verlor er große Guͤter auf der See? Begrub er einen Freund? hat wohl ſein Auge Sein Herz bethoͤrt zu unerlaubter Liebe? Der Suͤnde ſind viel junge Maͤnner ſchuldig, Die ihrem Blick zu große Freiheit laſſen. An welcher dieſer Sorgen liegt er krank? Adr. An keiner, wenn es nicht die letzte iſt; Ein Liebchen wohl hatt' ihm ſein Haus verleidet. Aebt. Das hättet Ihr ihm dann verweiſen ſollen. Adr. Das that ich auch. Aebt. Doch wohl nicht fcharf genug. Adr. So ſcharf als mirs Beſcheidenheit erlaubte. Aebt. Vielleicht geheim nur? Adr. In Geſellſchaft auch. Aebt. Ja, doch nicht oft genug? Adr. Es war der Inhalt jeglichen Geſpraͤchs. Im Bette ſchlief er nicht vor meinem Mahnen; Im Tiſche er nicht vor meinem Mahnen; Allein waͤhlt' ichs zum Tert fuͤr meine Rede, Und in Geſellſchaft ſpielt' ich darauf anz Stets ſagt ich ihm, es ſey gemein und ſchaͤndlich. Aebt. Und deshalb fiel i in Wahnſinn endlich. Das gift'ge Schrein der eiferſuͤcht'gen Frau Wirkt tödtlicher als tollen Hundes Zahn. Es ſcheint, dein Zanken hindert ihn am Schlaf, Und daher kams, daß ihm der Sinn verduͤſtert. Du ſagſt, ſein Mahl ward ihm durch Schmaͤh'n ver⸗ wuͤrzt; Unruhig Eſſen giebt ein ſchlecht Verdau'n, Daher entſtand des Fiebers heiße Glut; Und was iſt Fieber, als ein Wahnſinn⸗Schauer? Du ſagſt, dein Toben ſtoͤrte ſeine Luſt; Wo ſuͤß Erholen mangelt, was kann folgen, Als truͤbe Schwermuth und Melancholie, Der grimmigen Verzweiflung nah verwandt? Und hintendrein zahllos ein ſiecher Schwarm Von bleichen Uebeln, und des Lebens Moͤrdern? Das Mahl, den Scherz, den ſuͤßen Schlummer wehren