26 Titus Andronicus. A. 11.
Bewegt von Mitleid ließ der Lowe zu, Daß man die koͤniglichen Klau'n ihim ſtumpft; Der Rabe, ſagt man, fuͤttre Weiſenkindlein, Derweil im eignen Neſt ſein Junges darbt. O, ſey du mir, ſagt auch dein Herz dir Nein, Wenn auch ſo mild nicht, etwas doch geruͤhrt!— Tam. Ich weiß nicht was das heißt; hinweg mit ihr! Lav. Ich lehr' es dich: um meines Vaters halb, Der dir, dem Tod verfallen, Leben ſchenkte, Sey nicht verſtockt; oͤffne dein taubes Ohr!— Tam. Und haͤttſt du ſelber nimmer mich gekraͤnkt, Um ſeinetwillen bin ich mitleidlos.. Gedenkt nur Knaben, wie ich weint' umſonſt, Vom Opfer Euern Bruder zu befrein; Doch nimmer gab der grimmme Titus nach! Drum ſchafft ſie fort, verfahrt mit ihr nach Luſt; Je ſchlimmer, um ſo beſſer mir geliebt. Lav. O Tamora, ich preiſe deine Huld, Wenn du mit eigner Hand mich hier erſchlaͤgſt; Nicht um mein Leben fleht' ich ja ſo lang, Ich Arme ſtarb, als Baſſianus iel. Tam. Was batſt du denn? inweg, du thoͤricht § eib!—
Lav. Den ſchnellſten Tod erfleh' ich, und noch Eins, as Frauenmund nicht auszuſprechen wagt: Hemm' ihre mehr als moͤrderiſche Luſt!— O, ſenke mich in eines Sumpfes Pfuhl, Wo nie ein menſchlich Auge mich erſpaͤht; Das thu', und ſey barmnherz'ge Moͤrderin! Tam. Soo braͤcht' ich meine Soͤhn' um ihren Ruhm? Nein, laß ſie nehmen was ihr Eigenthum! Dem. Fort, ſchon zu lange hieltſt du uns zuruͤck. Lav. Kein Mitleid? Keine O viehiſch eib! Feindin und Schmach fuͤr unſer ganz Geſchlecht! Vernichtung fall' Chir.(ſchleppt ſie fort.) Dann ſtopf' ich dir den Mund.— Bring' du den Gatten; In dieſe Hoͤhle hieß in Aaron bergen. (Sie gehn ab.) Tam. Geht Soͤhne, ſchafft ſie mir in Sicherheit:
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