Sz. 3. Titus Andronicus. 25
Raͤcht Eurer Mutter Leben, liebt Ihr mich,
Sonſt nenn' ich nimmer meine Kinder Euch.
Dem. Cerſticht den Baſſianus.) Nimm dieß zum Zeugniß,
daß ich ſey dein Sohn!—
Chir.(durchſticht ihn gleichfalls.) Der Stoß fuͤr mich,
zum Zeichen meiner Kraft!—
Lav. Ja, komm, Semiramis,— nein wuͤth'ge
Tamora! Kein Name ziemt dir, als der eigne nur!—
Tam. Gebt mir den Dolch, laßt Eurer Muiter Hand An ihr vergelten Eurer Mutter Schmach.
Dem. Halt, Koͤnigin, hier iſt noch mehr im Werk; Erſt dreſcht das Korn, und dann verbrennt das Stroh. Dieß Puͤppchen ruͤhmte viel von ihrer Zucht,
Von ihrem Ehgeluͤbd' und reiner Treu, So mit geſchminkter Tugend trotzt ſie Euch: Und naͤhme ſie das alles mit ins Grab?—
Chir. Wenn dieß geſchieht, mußt' ich ein Haͤmling
eyn. Schleif' ihren Gatten einer Höhle zu, Sein todter Leib ſey Pfuhl für unſre Luſt. Tam. Doch ward der Honig Euer, den ihr wuͤnſcht, Laßt nicht die Weſp⸗ am Leben, uns zu ſtechen. Chir. Ich ſchwoͤr' Euch, Fuͤrſtin, ruhig ſollt Ihr ſeyn.— Kommt, Dame, jetzt gewaltſam rauben wir, Was Ihr ſo ſproͤd' und aͤngſtlich habt bewahrt. av. O Tamora, du trägſt ein weiblich Antlitz— Tam. Ich will ſie nicht mehr hoͤren, fuhrt ſie weg!— Lav. H liebe Herrn, ein Wort nur laßt mich ſprechen! Dem. Vernehmt ſie, ſchoͤne Frau! ſey's Euer Ruhm, Sie weinen ſehn: doch bleib Eu'r Herz ſo hart Wie Kieſel, fuhllos bei des Regens Guß. Lav. Wann lehrte je des Tigers Brut die Mutter? Q lehr ſie keinen Grimm, ſie lehrt' ihn dich! Die Milch die du geſogen ward zu Marmor; Schon an der Bruſt empfingſt du Grauſamkeit.— Gu Chiron.) Doch ſind nicht jeder Mutter Soͤhne gleich: Fleh du zu ihr um Mitleid fuͤr ein Weib!— Chir. Was! ſollt' ich ſelber mich zun Baſtard ſtem⸗
peln? Lav. S iſt wahr, der Rabe bruͤtet Lerchen nicht, Doch hoͤrt ich einſt,—(o faͤnd' ichs nun bewaͤhrt)


