24 Litus Andronicus. A. II.
Befleckt, abſcheulich, aller Welt ein Greu'. Was ſtahl't Ihr heimlich vom Gefolg Euch weg? Stiegt ab von Eurem ſchmucken weißen Zelter, Und ſchlicht hieher an dieſen finſtern Ort, Von einem ſchnoͤden Mohren nur gefuͤhrt, Wenn boͤſe Luſt Euch nicht verleitete? Lav. Und weil er Euch geſtort in ſolchem Spiel, Verſteht ſich's, muͤßt Ihr meinen edlen Herrn Fuͤr Frechheit ſchelten.— Bitt' Euch, gehn wir fort: Goͤnnt Ihr des rabenfarb'gen Buhlen Kuß, Dieß Thal iſt hoͤchſt gelegen ſolchem Werk. Baſſ. Dem Kaiſer meinem Bruder meld' ich dieß.
Lav. Ja, ſolch Entweichen ward ſchon laͤngſt bemerkt:
Wie groͤblich taͤuſcht man dich, du guter Fuͤrſt!— am. Wie hab' ich noch Geduld dieß anzuhoͤren?—
(Chiron und Demetrius kommen.)
Dem. Wie, theure Kaiſerin und gnaͤd'ge Mutter Was blickt Eu'r Hoheit ſo verſtort und bleich? Tam. Was meint Ihr, hab' ich Grund nicht bleich
zu ſehn?
Die Zwei verlockten mich in dieſes Thal, Ihr ſeht, es iſt ein wuͤſt abſcheul'cher Ort, Die Bäum', obwohl im Sommer kahl und duͤrr, Erſtickt von Moos und tuͤck'ſchem Miſtelwuchs. Hier ſcheint die Sonne nie, hier athmet nichts,
achteulen nur, und ungluͤckdrohnde Raben. Und als ſie mir gezeigt die grauſe Schlucht, Erzaͤhlten ſie, wie um die Mitternacht Wohl tauſend Geiſter, tauſend Schlangen ziſchend, Zehntauſend ſchwell'nde Kroͤten, Molch und Igel Erhuͤben ſolch ein furchtbar toͤdtlich Schrein, Daß jeden Sterblichen der dieß vernimmt Wahnſinn befaͤllt, wenn er nicht plotzlich ſtirbt.
rauf, als ſie kaum erzählt die Hoͤllenmaͤhr, Als bald mich feſtzubinden drohten ſie, An eines grauſen Eibenbaumes Stamm, Daß ich ſo ſchnoͤdem Tod verfallen ſey. Dann ſchalten ſie mich Ehebrecherin, Verbuhlte Gothin, und die herbſten Worte Die je ein Ohr im bittern Schmaͤhn vernahm: Und kamt Ihr durch ein Wunder nicht zum Gluͤck, Sie haͤtten dieſe Rach' an mir vollbracht.
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