Teil eines Werkes 
Sechster Theil (1831) Titus Andronicus
Entstehung
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Sz. 3. Titus Andronicus. 23

Mein Schweigen, meiner Stirn Melankolie,

Mein Vließ von krauſer Wolle, jetzt entlockt,

Recht wie die Natter, wenn ſie ſich entrollt

Zu ſchlimmem Biß und gift'gem Ueberfall?

Nein Fuͤrſtin, das ſind Venus⸗Zeichen nicht:

Rachſucht erfullt mein Herz, Tod meine Fauſt,

Blut und Verderben toben mir im Haupt.

Hoͤr Tamora, du Kaiſrin meiner Seele,

Die nicht auf andern Himmel hofft, als dich,

Heut iſt des Baſſianus Schickſalstag.

Verſtummen muß heut ſeine Philomele,

Es pluͤndern deine Soͤhne ihre Keuſchheit,

Und waſchen ihre Hand im Blut Baſſians.

Sieh' dieſen Brief, den nimm zu dir; ich bitt' dich,

Gieb deinem Herrn dieß Blatt voll Todesliſt: 3

Nun frage mich nicht mehr, man ſchleicht uns nach, ier kommt ein Theil der hoffnungsreichen Beute:

e ahnden nicht wie nah Vernichtung droht! Tam. Ah ſuͤßer Mohr, mir ſußer als der Tag! Aar. Still große Koͤnigin, Baſſianus kommt:

Zeig dich erzuͤrnt, die Soͤhne hohl ich her

Zu deinem Beiſtand, wenn du Streit beginnſt. Cab.)

(Baſſianus und Lavinia kommen.)

Baſſ. Wer naht uns hier? Rom's hohe Kaiſerin; Vom ziemenden Gefolg' ſo weit entfernt?

Wie, oder Diana, ſo geſchmuckt wie ſie,

Die ihr geheiligt Waldaſyl verließ,

Zu ſchaun die große Jagd in diefem Forſt?

Tam. Frecher Nachſpuͤrer unſrer Einſamkeit, Haͤtt' ich die Macht, die, ſagt man, Dianen ward, Die Schlaͤfen Augenblicks umpflanzt ich dir Mit Hoͤrnern wie Actaͤon, und die Hunde Verfolgten deine neue Hirſchgeſtalt,

Schamloſer, der du hier dich eingedrängt!

Lav. Mit Eurer Gunſt, huldreiche Kaiſerin!

Man ſagt, mit Hoͤrnern wißt Ihr umzugehn; Und wohl verraͤth ſichs, daß der Mohr und Ihr Zu ſolcherlei Verſuch Euch hier verirrt.

Heut ſchuͤtze Zeus vor Hunden Euren Gatten, Denn Ungluͤck waͤr' es, ſaͤhn ſie ihn als Hirſch!

Baſſ. Glaubt, Fuͤrſtin, dieſer naͤchtliche Cimmerier

Macht Eure Ehre ſchwarz wie ſeine Haut,