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Sz 2. Titus Andronicus. 15
Erſchlug er ſelber ja den juͤngſten Sohn
Aus edlem Eifer, und von Zorn erfuͤllt,
Weil Einſpruch hemmte, was er frei geſchenkt: Drum nimm ihn auf zu Gnaden, Saturnin, Der ſich in allem Thun durchaus bewährt, Als Freund und Vater gegen dich und Rom.
Tit. Prinz Baſſianus, ſey mein Anwald nicht;
Du biſts, und jene dort, die mich entehrt:
Rom und der ew'ge Himmel richten mich, Wie treu ich ehrt' und liebte Saturnin!
Tam. Mein edler Herr, wenn je dein fuͤrſtlich Aug' Mit Wohlgefallen blickt' auf Tamora, So hoͤre jetzt mein unpartheiiſch' Wort, Und, Liebſter, alles was geſchehn, vergieb. Sat. Was? offenbar mißhandelt und entehrt, Soll ich die Kraͤnkung dulden ungeraͤcht? Tam. Nicht alſo Herr! Das woll'n die Göoͤtter nicht, Daß ich, dich zu entehren ſollte flehn! Nein, meine Ehre ſetz' ich dir zum Pfynd, Den wackern Titus find' ich ohne Schuld: Sein unverſtellter Zorn ſpricht ſeinen Schmerz, Drum mir zur Liebe ſieh' ihn gnaͤdig an; Nicht bring' ein Wahn dich um den tapfern Freund, Noch truͤb' ein finſtrer Blick ſein edles Herz.— (Beiſeit.) Nimm Nath an, mein Gemal; gieb endlich nach, Verbirg nur alle Kraͤnkung, allen Gram: Du biſt erſt neu gepflanzt auf deinen Thron; Deshalb, damit nicht Rom's Senat und Volk Nach beßrer Einſicht Titus Anhang mehrt, Und von dir abfaͤllt deines Undanks halb, (Den Rom als ſchwere Suͤnde ſtets gehaßt,) Gieb nach den Bitten, laß die Sorge mir: Ich will ſie all' ermorden, find' ich Zeit, Vertilgen ihren Stamm und ganz Geſchlecht, Den wuͤth'gen Vater und die grimmen Soͤhne, Die ich um meines Kindes Leben bat; Dann ſehn ſie, was es ſey, wenn Koͤniginnen Im Staube knie'n, und Gnade nicht gewinnen.— Laut.) Komm, theurer Kaiſer, kommm Andronicus,— Peb' auf den guten Greis, troſt' ihm ſein Herz, Das hinwelkt in dem Sturme deines Zorns. Sat. Auf, Titus! Meine Kaiſrin hat geſiegt.
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