14 Titus Andronicus. A. 1.
Tit. Marcus, ſteh auf.— Das iſt der truͤbſte Tag, den ich erlebt, Entehrt von meinen Söhnen hier in Rom!— Begrabt ihn denn; der naͤchſte ſey ich ihm. (Sie legen die Leiche in das Begräbniß.) Luc. Hier ruh' mit deinen Freunden, ſuͤßer Mutius, Bis wir dein Grab geziert mit Kriegstrophaͤ'n!— (Alle knieen und ſprechen:) Nicht Einer wein' um unſern edlen Mutius: Wer fuͤr die Tugend ſtarb, der lebt in Ruhm. Warc. Bruder,— ſo truͤbe S zu zer⸗ reun,— Wie hat die ſchlaue Gothenkoͤnigin So ſchlennig ſich den Weg gebahnt in Rom? Tit. Ich weiß nicht, Marcus; weiß nur, daß es iſt; Ob plangemaͤß, ob nicht, wird einſt enthuͤllt. Doch iſt ſie nicht verpflichtet jenem Mann, Der ſo weit her zum Gluͤck ſie hat gefuͤhrt?— Ja, und ſie giebt ihm einſt auch edlen Lohn!— (Trompetenſtoß. Von der einen Seite kommen der Kaiſer, Tamora, Chiron, Demetrius und Aaron, der Mohr, von der andern Baſſianus und Lavinia mit Gefolge.) Sat. Baſſianus, Ihr gewannt im Spiel den Preis; Gott ſchenk Euch Freud' an Eurer ſchmucken Braut! Baſſ. Und Euch an Eurer, Herr; mehr ſag' ich nicht, Noch wuͤnſch' ich minder; und ſo lebt nun wohl! Sat. Verraͤther! Gilt Geſetz, gilt meine Macht, Du und dein Anhang buͤßen dieſen Raub. Baſſ. Raub nennt Ihr, Herr, hn ich mein Eigen⸗ thum, Die mir verlobte Braut, und jetzt mein Weib?— Doch laßt entſcheiden unſer roͤm'ſches Recht; Beſitz' ich doch nun ſchon was mir gehoͤrt. Sat. Vortrefflich, Herr! Ihr ſeyd ſehr kurz mit uns; Doch, leb' ich, ſind Wir ganz ſo ſcharf mit Euch. Baſſ. Herr, was ich that, muß ich ſo gut ichs kann Vertreten, koſtets auch das Leben mir. Nur dieß noch ſag' ich deiner Majeſtaͤt,— Bei allen Pflichten fur mein Vaterland, Den wuͤrd'gen Mann, den edlen Titus hier, An Ehr und Namen haſt du ihn gekraͤnkt! Denn nur um dir Lavinien zu befrein,


